Langenerin fühlt sich vom Jugendamt ungerecht behandelt

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    • 13.05.12
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„Mein Kind soll ins Heim, weil ich Prostituierte bin!“

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Offenbach – Laura aus Langen ist Prostituierte und hatte außer viel Pech nicht viel vom Leben. Jetzt soll ihr auch noch das wertvollste genommen werden: Ihr Sohn Benjamin. Weil Laura offenbar immer wieder von besorgten Lehrern beim Jugendamt wegen Lappalien angeschwärzt wird. Von Christian Reinartz

© rz

Das Jugendamt will einer Langenerin das Kind wegnehmen, weil sie als Prostituierte arbeitet.

Der Ärger beginnt, als Laura im Gespräch mit der Lehrerin ihres zehnjährigen Sohnes als Beruf Prostituierte angibt. „Ich wollte da kein Geheimnis draus machen“, erinnert sich Laura. „Ich dachte, dass das heutzutage kein größeres Problem darstellt.“

Dass das blauäugig war, weiß sie nun. „Dann hat der Spießrutenlauf begonnen.“ Von Diskretion fehlt an der Schule offenbar jede Spur. Rasend schnell verbreitet sich der Klatsch in Kollegium und Förderverein.

Als Laura ihren Sohn das erste Mal wegen eines Verkehrsstaus zu spät vor dem Hallenbad abholt, wird das von einer Lehrerin gleich dem Jugendamt gemeldet. „Weil er noch nasse Haare hatte“, sagt Laura: „Als wenn das eine Vernachlässigung darstellt.“

Eine weitere Beschwerde der Lehrerschaft erscheint ebenso unbegreiflich. Benjamin hat eine Hose, die aus modischen Gründen am Knie ein großes Loch hat. „Die war total teuer“, sagt sie fassungslos. Dennoch wird dem Jugendamt gesteckt, der Junge würde verwahrlosen.

Beim Jugendamt schellen offenbar gleich alle Alarmglocken, denn Laura selbst ist dort keine Unbekannte. „Ich habe als Kind auch Gewalt erlebt“, sagt sie. Und auch ihr Sohn habe durch ihren oft unverschuldeten Lebenswandel keine leichte Kindheit gehabt. „Aber das ist doch Vergangenheit. Deswegen bin ich doch nicht automatisch eine schlechte Mutter.“

Jugendamt rät: Besser Hartz IV beantragen

Immer wieder wird Laura zu Gesprächen geladen. Muss sich erklären. Beteuert, dass bei ihr und ihrem Sohn alles in Ordnung sei. Vergeblich. Sie bekommt Auflagen, macht keinerlei Kundentermine mehr am Abend, schickt ihren Sohn zu einer Offenbacher Fördermaßnahme, damit sein Sozialverhalten besser wird. „Dort sind die total zufrieden mit seiner Entwicklung“, sagt sie. Trotzdem lassen die Mitarbeiter Laura nicht in Ruhe. „Eine Mitarbeiterin hat gesagt, dass ich, wenn ich meinen Sohn behalten will, als Hure aufhören und lieber Hartz IV beantragen soll.“

Die Situation eskaliert. „Eine andere Mitarbeiterin sagte, sie will, dass mein Sohn in ein Heim kommt“, sagt Laura. Tränen laufen ihr über die Wange. „Da bin ich einfach aufgestanden und gegangen.“

Kreissprecher Ralf Geratz-Krambs weist das zurück: „Selbstverständlich spielt der Beruf der Mutter keine Rolle bei unserer Entscheidung. Das geht uns gar nichts an.“

Dennoch will der Kreis Offenbach die Sache durchzuziehen. Geratz-Krambs: „Wir sind aufgrund der aktuellen Lage der Meinung, dass der Sohn woanders besser aufgehoben wäre.“ Deswegen habe man den Fall dem Familiengericht übergeben. „Da entscheiden nun die Richter darüber. Wir würden so eine Entscheidung selbstverständlich nie treffen.“

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