Stadt und Kreis Offenbach sind offenbar Auffangbecken für Lehrer zweiter Wahl

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    • 26.05.12
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Lehrer: Wer keine guten Noten hat probiert`s in Offenbach

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Region Rhein-Main – Lehrern mit schlechtem Abschluss aus Frankfurt, Darmstadt und dem Taunus wird immer wieder geraten, sich in Stadt und Kreis Offenbach zu bewerben. Weil dort keiner hin will. Und weil dort auch Absolventen mit weniger guten Leistungen eine Chance hätten. Von Christian Reinhartz

Schlechte Lehrer haben angeblich in Offenbach bessere Chancen.

© Alessandro Capuzzo, Gunnar Assmy /Fotolia.com

Schlechte Lehrer haben angeblich in Offenbach bessere Chancen.

Benedikt H. ist Lehrer für Deutsch und Geschichte. Seinen Uni-Abschluss hat er mit leidlichen Noten hinter sich gebracht. Ein Manko, das den 33-Jährigen drei Jahre auf eine feste Lehrerstelle hat warten lassen. Dann bekommt er beim Schulamt einen Geheimtipp. Er soll es in Stadt oder Kreis Offenbach versuchen. Dort wolle niemand hin. Dort seien die Chancen viel größer.

Beim Schulamt im Landkreis Darmstadt-Dieburg bestätigt ein Pädagoge diese Praxis: „Um Offenbach und den Kreis machen viele junge, gute Lehrer einen Bogen, weil es einen schlechten Ruf hat.“ Deswegen hätten gerade weniger profilierte Pädagogen dort eine reelle Chance.

Beim Schulamt des Hochtaunus- und Wetteraukreises kennen die Mitarbeiter ebenfalls den Tipp für erfolglose Stellensucher. Amtsleiter Günter Bonath gibt sich hingegen ahnungslos: „Wir sagen den angehenden Lehrern nur, dass die sich entweder über die hessische Rangliste oder direkt bei den Schulen bewerben können.“ Und auch in Frankfurt will man die Offenbacher Kollegen nicht schlecht machen. Dennoch gibt man dort zu, die Praxis zumindest zu kennen.

Bei Jürgen Rosenow vom Offenbacher Stadtelternbeirat schellen deshalb die Alarmglocken: „Wenn hierher nur Lehrer kommen, die weniger fähig sind, dann ist das kontraproduktiv.“ Gerade in den Offenbacher Schulen mit ihrer schwierigen Sozialstruktur müssten eher bessere Lehrer eingesetzt werden. „Die könnten das dann kompensieren.“

Doch die Situation ist genau anders herum. Bei der Bildungsgewerkschaft GEW spricht Kreisvorsitzender Michael Köditz Klartext: „Jedes Jahr gibt es Probleme, alle Lehrerstellen in Stadt und Kreis Offenbach zu besetzen. Da ist diese Entwicklung ja nur logisch.“ Der Grund für die Abneigung der Neu-Lehrer liegt offenbar in der schwierigen Sozialstruktur vor Ort. Köditz: „Viele wollen hier nicht so gerne hin, weil es hier ein schwierigeres Klientel gibt.“ Der kommissarische Amtsleiter des Schulamts Offenbach, Peter Bieniussa, will davon allerdings noch nie gehört haben: „Das entbehrt meiner Meinung nach jeglicher Grundlage. Ich sehe die Situation bei uns genauso wie in Frankfurt.“

Neben dem schlechten Ruf haben Stadt und Kreis offenbar noch mit einem weiteren Vorurteil innerhalb der Lehrerschaft zu kämpfen. Im Schulamt in Darmstadt heißt es: „Bei Lehrern erzählt man sich, dass man nicht mehr wegkommt, wenn man einmal in Offenbach oder dem Kreis gelandet ist.“

Denn weil es so wenig Lehrer, gerade von seltenen Fächern gebe, würden diese nie wieder weggelassen werden. „Dieses Risiko wollen viele gute Lehrer eben nicht eingehen.“

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