Aus und vorbei: Regenbogendienst der Frankfurter Aids-Hilfe macht dicht

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    • 27.04.12
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Und wer kümmert sich jetzt um die Patienten?

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Frankfurt – Es ist beschlossene Sache. Den Regenbogendienst der Frankfurter Aids-Hilfe wird es in seiner bisherigen Form sehr bald nicht mehr geben. Doch wer soll sich jetzt um die fast 100 Patienten kümmern? Von Dirk Beutel

© Peter Atkins/Fotolia

Der ambulante Pflege- und Betreuungsdienst für Aids-Kranke wird eingestellt. Wer sich künftig um die etwa 100 Patienten annehmen wird, weiß noch keiner.

Es ist der letzte seiner Art in Deutschland. Nun steht auch der Regenbogendienst der Frankfurter Aids-Hilfe vor dem Aus. Am 31. Dezember geht für das ambulante Pflege- und Betreuungsangebot für HIV-positive Patienten endgültig das Licht aus. Grund: Seit seiner Gründung im Jahr 1989 arbeitet der Dienst, der sich aus Spenden finanziert, defizitär. Die Beträge, die Kranken- und Sozialkassen zahlen, reichen bei weitem nicht mehr aus.

Für viele der Patienten bricht damit eine Welt zusammen: „Viele unserer Klienten sind komplett vereinsamt. Der Pfleger ist in diesem Fall der einzige Mensch, den sie zum Teil sogar jahrelang gesehen haben“, sagt Herbert Drexler, Fachbereichsleiter Betreutes Wohnen. „Viele sind deshalb verzweifelt und haben Angst.“ Das bestätigt auch Pflegedienstleiterin Katrin Medack. Sie ist von der Entscheidung entsetzt: „Wir kümmern uns um Menschen, die nunmal für Pflegedienste kein lukratives Klientel sind.“

Es geht nicht darum, wegen Aids zu sterben, sondern mit Aids in Würde zu leben

Trotzdem sei der Bedarf in Frankfurt, Offenbach und im Hochtaunus nach wie vor da. „Der Regenbogendienst arbeitet nicht wie andere Dienste innerhalb eines Stadtteils. Unsere Patienten wohnen alle zu Hause und weit auseinander“, sagt Achim Teipelke, Geschäftsführer der Frankfurter Aids-Hilfe. Dies habe enorme Fahrtzeiten zur Folge, die viel Zeit kosten, aber nicht bezahlt werden. Doch wer kümmert sich dann um die Patienten? „Wir haben noch genug Zeit, um uns nach anderen Pflegediensten umzusehen. Wir lassen unsere Patienten nicht im Stich“, sagt Teipelke. Aber einfach wird die Suche nicht. Denn HIV-Positive haben es auch heute noch mit gravierenden Diskriminierungen im Alltag zu tun. Und die bekommen sie auch von Medizinern oder Pflegedienstmitarbeitern zu spüren. „Sie können es sich nicht vorstellen, wie schwer es ist, mit HIV einen Zahnarzt zu finden, der einen behandelt“, sagt Katrin Medack. Deshalb werde es auch nicht einfach einen neuen Pflegedienst zu finden.

Das weiß Wolfgang Kirsch am besten. Seit 1985 ist der 62-Jährige HIV-positiv. Seit vielen Jahren ist der Frankfurter eng in Kontakt mit der Aids-Hilfe, außerdem kennt er die Szene gut. „Es trifft vor allem Leute, die nur mit einer Grundsicherung klar kommen müssen und sowieso schon isoliert daheim sitzen.“ Kirsch nimmt den Regenbogendienst aufgrund HIV-bedingter Krankheitsbilder - Polyneuropathie und Myopathie - zweimal die Woche in Anspruch – damit ihm im Haushalt geholfen wird. Auch das ist Pflege im Sinne des Regenbogendienstes: „Heute geht es viel weniger darum, wegen Aids zu sterben. Es geht vielmehr um ein Leben mit HIV oder Aids in Würde zu führen“, sagt Teipelke. Unklar ist ebenfalls, was aus den 15 Mitarbeitern und den drei Aushilfen des Regenbogendienstes wird. Einige von ihnen sollen nach Möglichkeit innerhalb der Aids-Hilfe einen Platz finden. Auch ihre Zukunft steht noch in den Sternen.

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