Beim Frankfurter Frauen-Ruderverein Freiweg dürfen sich auch die Männer in die Riemen legen

Technik statt dicke Arme

418.07.10|SportFacebook
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„Vom Rudern bekommt man ein breites Kreuz“, oder „Rudern ist etwas für kräftige Kerle“, lauten die gängigen Vorurteile, die zahlreiche Frauen vor dem geselligen Wassersport zurückschrecken lassen. Nicht die gesamte Damenwelt lässt sich durch derlei Sprüche einschüchtern: Im Frauen-Ruderverein Freiweg in Frankfurt-Niederrad hält das vermeintlich schwache Geschlecht das Ruder fest in der Hand. Von Verena Bongartz

Im Frauen-Ruderverein fühlen sich auch diese Männer wohl.

© Bongartz

Im Frauen-Ruderverein fühlen sich auch diese Männer wohl.

Zu begründen sind die Mythen vom hünenhaften Rudern kaum. Zwar ist der Sport in der Tat ein effektives Ganzkörpertraining. Den beliebten Laien-Irrtum, Ruderer müssten dicke Arme und breite Schultern haben, weist die schmale Sprecherin und Aktive des Frauen-Rudervereins, Karin Krüger, jedoch zurück: „Hauptsächlich werden die Oberschenkel trainiert. Der Kraftaufwand im Freizeitsport ist insgesamt mäßig. Schon Kinder ab etwa zehn Jahren können mit dem Rudern beginnen. Eine gute Technik ist entscheidend.“

Bereits seit 1927 gibt es den Frauen-Ruderclub. Während Rudervereine in Deutschland für Männer schon ab den 1830er Jahren zum sportlichen Alltag wurden, waren Frauen in bestehenden Clubs zunächst ungerne gesehen. Sie erkämpften sich aber zur Zeit der Industrialisierung um die Jahrhundertwende die Möglichkeit, an sportlichen Freizeitaktivitäten teilzunehmen. Auch in den Frankfurter Rudervereinen eroberten die Frauen zunächst eigene Abteilungen und schließlich eröffnete einige fortschrittlicher Damen den Freiweg Frauen-Ruderverein.

Aus Blech Boote gezimmert

Ruderin Karin Krüger.© BongartzRuderin Karin Krüger.Karin Krüger erinnert an die Schwierigkeiten zu Gründungszeiten: „Die Vereinsgründung verlief relativ unkompliziert. Aber niemand wusste, wie es danach weitergehen sollte. Es gab kein Bootsmaterial und auch kein Bootshaus“. Aus Blech wurde ein Boot zusammengezimmert, ein weiteres ausgeliehen, ein drittes bekam der Ruderverein geschenkt. Nicht nur Ablehnung wehte den Gründerdamen entgegen, auch viel Unterstützung bekamen sie für ihr Projekt.
Heutzutage, so Krüger, seien Frauen im Rudersport alles andere als eine Seltenheit. Die 41-Jährige hatte nicht das Gefühl, in eine Männerdomäne eingedrungen zu sein, als sie vor über zwölf Jahren mit dem Rudern begann. „Sicherlich gibt es immer noch Menschen, die fragen: Was wollen Frauen beim Rudern? Aber das ist glücklicherweise eine aussterbende Spezies.“ Es gebe zwar noch Vereine, die keine Frauen zuließen, dies sei aber kaum noch verbreitet, betont die Ruderin.

Zwei Drittel sind Frauen bei Freiweg

Umgekehrt ist auch Freiweg kein reiner Frauenverein mehr. Seit den 1960er Jahren werden Männer ebenfalls im Frauen-Ruderverein zugelassen. Von den rund 140 Mitgliedern ist zwar mit etwa zwei Dritteln der Frauenanteil immer noch ungleich größer, im Trainingsalltag der Aktiven bilden hingegen immer häufiger die Männer die Mehrheit.

Eine Namensänderung lehnen die Vereinsmitglieder ab. Der Name errege Aufmerksamkeit und hebe Freiweg von den 14 weiteren Rudervereinen in Frankfurt und Offenbach ab. Auch auf einer ideellen Ebene hat laut Krüger der Name einen Wert: „Der Verein hat sich in der Vergangenheit einen Namen gemacht, nicht zuletzt durch Olympiateilnahmen unserer Mitglieder“, erklärt die Vereinssprecherin, „eine Namensänderung würde unsere ganze Historie wegwischen“.

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