022.08.10|Sport|Sport|
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Schaafheim – Wenn das Formel-1-Legende Michael Schumacher hören könnte – er würde sich im Cockpit umdrehen: „Der Go-Kart-Boom hat längst nachgelassen, auch bei uns fährt nur noch eine Minderheit“, hat Georg Nebel festgestellt. Von Jens Dörr

© jd
Der MSC Wartturm betreibt ein Motorsport-Mekka am Rande Schaafheims. Auch Schumi hat hier mal trainiert
„Bei uns“ – das ist beim Motorsportclub Wartturm Schaafheim, benannt nach dem Wahrzeichen Wartturm nahe der Bachgau-Gemeinde. „Bei uns“ – das ist genauer gesagt auf dem Schaafheimer „Odenwaldring“, einer attraktiven, 1000 Meter langen Rennstrecke mit Asphalt- und Offroadteil. Dort sausen eben nicht nur Motorräder kleinerer Bauart (Supermotos) über die Strecke, sondern auch Go-Karts, Mini-Bikes und vereinzelt Quads. Und Michael Schumacher trainierte als Kind dort einst drei Jahre lang.
Mit dem früheren Ferrari-Piloten aber wirbt der MSC Wartturm kaum noch, denn die Zeiten, als die Menschen in Schaafheim Schlange standen, um Go-Kart zu fahren, sind längst vorbei. „Die Leute haben inzwischen gemerkt, dass das richtig ins Geld geht“, sagt Nebel, Chef des 230-Mitglieder-Vereins. Außerdem seien Go-Kart-Anlagen wie Pilze aus dem Boden geschossen.
„Bei uns sind die meisten mittlerweile Motocross-Fahrer“, sagt Nebel, der dem 1968 gegründeten Verein bereits seit 35 Jahren angehört und 20 Jahre lang Motorsportreferent war. Er selbst ist noch Hobbyfahrer, in jüngster Zeit dürfte er aber kaum noch hinters Lenkrad gestiegen sein: Mit Läufen der Serie zur „Internationalen Deutschen Supermoto Meisterschaft“ richteten die Schaafheimer vor einer Woche ein Mega-Event aus: 2000 Zuschauer und mehr als 200 Fahrer kamen. Freie Trainings, Qualifyings und Rennen in sieben Kategorien fanden statt, Fahrer aus sieben Nationen waren dabei. Nicht nur nach Hubraum wird im Supermoto unterteilt: In der Ü40-Klasse fahren die älteren Fans von Benzingeruch und heißen Reifen. Auch im Motorsport lässt die Leistung mit steigendem Alter nach. „Die Besten der Ü40-Klasse könnten im normalen Wettbewerb allerdings noch im oberen Mittelfeld mitfahren“, relativiert Nebel indes die Unterschiede.
Spektakulär ist es anzusehen, wenn die Supermotos, gebaut vor allem für kleinere Kurse, über den Odenwaldring heizen. Auch der großzügig bemessene Offroad-Teil macht die Meisterschaft, die den Motorsportclub weit über die Grenzen der Region repräsentiert, zu etwas Besonderem: „Normal ist, dass im Supermoto etwa 25 Prozent eines Kurses nicht auf Asphalt, sondern im Gelände gefahren wird“, so Nebel. „Bei uns ist der Anteil größer, was bei den Fahrern sehr gut ankommt.“
Es gibt allerdings Schaafheimer, die sich Schöneres vorstellen könnten als eine Rennstrecke vor der Haustür. Die Beschwerden und Einwände nehme man „sehr ernst“, sagt Nebel. Im Übrigen könne man die Rennstrecke im Bebauungsplan entdecken, ehe man sich im Neubaugebiet ansiedle, kann er sich eine Spitze dann doch nicht verkneifen.

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