Mit Stock und Stein Schach auf dem Eis spielen
314.02.10|SportFacebook
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Region Rhein-Main – Die einen versuchen seit Jahrzehnten olympisch zu werden, die anderen sind‘s seit zwölf Jahren. Dadurch bekommt das Curling überall mehr Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl es in Deutschland achtmal mehr Eisstockschützen als Curler gibt. Den Spielern aus Neu-Isenburg, Mainhausen und Schaafheim ist das egal. Sie spielen gemeinsam für Eintracht Frankfurt. Von Andreas Einbock

© ane
Norbert Kreh (links) und Manfred Hübner sorgen mit ihrem kräftigen Schrubbereinsatz für eine längere Bahn des Steins.
Gebannt blickt Marion Steiner auf die gegenüberliegende Bandenseite in der Frankfurter Eissporthalle. Drei kurze Schritte auf der rauhen Eisfläche, dann schickt sie ihren knapp viereinhalb Kilogramm schweren und mit gummierter Laufsohle ausgestatteten Stock auf die 24 Meter lange Reise. Auf dem direkten Weg zum Zielring – der so genannten Daube – liegt nur ein gegnerischer Stock. Der rutscht nach der Kollision aus dem drei mal sechs Meter großen Zielfeld. „Perfekt“, kommentiert die 51-jährige Mainhausenerin ihren spielentscheidenden Wurf im sechsten und letzten Durchgang – der Kehre – des Spiels. „Meine Stärke sind das Anstellen und das Abschießen des gegnerischen Stocks“, beschreibt sie ihre Teamposition, mit der sie oft als vierte und letzte Spielerin mit ihrem etwa 500 Euro teuren Sportgerät ins Geschehen eingreift.
"Eines der stärksten Teams nördlich des Mains"
Seit über 20 Jahren spielt Steiner schon, für Eintrachts Bundesligateam startet sie erst seit 2004. „Im letzten November sind wir Bundesliga-Zweiter geworden und bei der Deutschen Meisterschaft Ende Januar haben wir immerhin zwei Teams aus Bayern geschlagen“, sagt Steiner und bekommt Zustimmung vom Abteilungsleiter Bodo Martin. „Wir sind eines der stärksten Teams nördlich des Mains“, berichtet der 63-jährige Neu-Isenburger stolz und ergänzt: „Als einer von fünf deutschen Vereinen haben wir einen Sponsorenvertrag mit einem österreichischen Eisstock-Hersteller.“ Davon profitieren 35 Aktive im Alter von 22 bis 75 Jahren, die unter anderem in zwei Männer- und einem Frauenteam in der Bundesliga spielen. „Unsere Wurzeln liegen am Eisernen Steg, wo vor etwa 50 Jahren die ersten Stöcke geworfen wurden“, sagt Martin, der den Sport beim Skiurlaub in Österreich vor 28 Jahren entdeckte und mit der zweiten Bundesligamannschaft fast jedes Wochenende unterwegs ist. „Im Gegensatz zum Curling spielen wir auch im Sommer“, so Martin. Die Asphaltfläche am ADAC-Übungsplatz am Rebstock biete dafür gute Bedingungen.
"Das ist wie Schach auf dem Eis"
Die findet auch Curler Manfred Hübner drei Tage später in der Nebenhalle vor. „Das ist so ein super Eis. Wir müssen unbedingt ein richtiges Spiel machen“, ruft der 65-jährige Schaafheimer seinem Mitspielern zu. Durch seine Frau aus der Schweiz und deren Vater, der Ostschweizer Meister war, sei er vor 30 Jahren zum Curling gekommen. Nach drei Anfangsjahren auf der offenen Eisbahn in Roßdorf spielt er und 25 weitere Curler aus dem Rhein-Main-Gebiet seit Oktober 2006 jeden Samstagvormittag in der kleinen Halle der Frankfurter Eissporthalle. „Das ist wie Schach auf dem Eis. Durch einen gutes Auge und den richtigen Dreh ist der Sport für alle geeignet“, wirbt der Breitensportbeauftrage des deutschen Curlingverbandes, der nach den Fernseh-Boom im Oympiajahr 2002 viele neue Mitglieder aufnehmen konnte. „So, jetzt gibt‘s du dem Stein einen leichten Outhandle“, gibt Hübner Quereinsteiger Norbert Kreh einen Tipp, wie er mit einer Drehung des Handgelenks gegen den Uhrzeigersinn dem knapp 20 Kilogramm schweren Stein den nötigen Effet geben kann. Der 66-jährige Schaafheimer curlt erst seit Jahresbeginn und stößt sich schon wie ein Profi mit dem rechten Fuß von der gummierten Fußrampe ab, ehe er bis zur elf Meter entfernten Grenzlinie, der so genannten hog line, im Ausfallschritt gleitet und kurz davor den Stein loslässt.
Der Stein muss ins Zentrum
„Wischen, wischen“, brüllt am anderen Ende der 44,5 Meter langen und 4,75 Meter breiten Bahn Klaus-Peter Fischer-Hellmann. Der 56-jährige Skip aus Mühltal gibt als Kapitän Hübner die Anweisung seinen mit Kunststoff beschichteten Schrubber vor dem Stein einzusetzen. Durch die Reibung erzeugt er einen Wasserfilm, mit dem der Stein durch seine konkave Form und einer nur sechs bis zwölf Millimeter breiten Lauffläche seine Drehbewegung verringert und bis zu drei Meter länger übers Eis gleitet. Krehs roter Stein curlt hinter den gelben vom jungen gegnerischen Team fast direkt in den Zielbereich. „Anfängerglück“, grummelt Kapitän Robert Krüger vom gelben Team. Der 32-jährige Frankfurter ist einer von drei Eintracht-Spielern, die für Mannheim in der Bundesliga spielen. „Zu einem Team gehören vier Spieler, die abwechselnd mit dem Gegner jeweils zwei Steine haben. Jeder eigene Stein, der näher am Zentrum als der näheste Stein des Gegner ist, bringt einen Punkt“, erklärt er die Regeln. Wer mehr Punkte hat, gewinnt den Satz, von denen acht bis zehn in einer Partie gespielt werden.
Zur Ausrüstung gehören neben Stein und Besen das richtige Schuhwerk: „Bei Rechtshändern hat der linke Gleitschuh eine glatte Teflonbeschichtung, der beim Wischeinsatz einen gummierten Überzieher draufgestülpt bekommt. Der rechte Schuhe hat eine rutschfeste Sohle“, sagt Krüger und zeigt mit dem Besen die Richtung für den nächsten Stein an. Olympia werden sie gespannt verfolgen. „Curling hat tolle Fernsehzeiten bekommen. Die übertragen vom 16. Februar an jeden Abend immer zwischen 18.30 und 23 Uhr“, freut sich Hübner auf die Winterspiele.
Curling
• Training: Samstags von 11 bis 13 Uhr in der kleinen Eishalle, Bornheimer Hang 4
• Tag der offenen Tür: Samstag, 27. Februar, 11 bis 17 Uhr
• Kontakt: Manfred Hübner, S (06073) 980 300
Eisstockschießen
• Training: Donnerstag von 20 bis 22 Uhr in der großen Eishalle, Bornheimer Hang 4
• Internationales Winter-Turnier: Samstag, 20. Februar, ab 7.30 Uhr
• Kontakt: Bodo Martin,S (061022) 72 54
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