522.11.09|Sport|Sport|
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Offenbach – Kinofilme wie Cliffhanger oder Vertical Limit haben es bekannt gemacht. Doch richtiges Sportklettern erfordert mehr als die Hollywoodstreifen vermitteln. Vor allem Kraft, Taktik und Geschicklichkeit. Die richtige Mischung davon braucht Lina Himpel am nächsten Sonntag. Dann startet die 14-jährige Offenbacherin bei der Deutschen Meisterschaft. Von Andreas Einbock

© nh
Griffe, Tritte, Felsvorspünge: Lina Himpel ist auf dem Weg nach oben
In der Parkanlage hinter dem Haus fing sie an. „Da bin ich auf den Bäumen rumgeklettert. Ich hatte sogar meinem Lieblingskletterbaum“, sagt Lina Himpel und Mama Heidrun ergänzt: „Ja, sie war damals schon kaum zu halten.“ Inzwischen hat sie den Baum gegen die zwölf Meter hohe Kletterwand in der Frankfurter T-Hall getauscht. Seit fast drei Jahren klettert sie leistungsorientiert für die Frankfurter Sektion des Deutschen Alpenvereins.
Dreimal pro Woche jeweils drei bis vier Stunden erklimmt sie die vom deutschlandweit bekannten Trainer Andreas Vantorre vorgebenen Routen. Beim so genannten Leadklettern wird in Schwierigkeitsstufen von zwei bis zwölf geklettert. Gewertet werden die erreichten Griffe, die Zeit spielt nur beim Überschreiten der Höchstdauer eine Rolle – im Gegensatz zum Speedklettern.
Lina startet in der B-Jugend und hat schon Stufe Neun minus erreicht. „Es gibt immer wieder etwa Neues zu entdecken. Neue Tritte und neue Griffe muss ich mit anderen Bewegungen bewältigen“, beschreibt Lina ihren Sport. Für den braucht sie neben einer Kletterwand flache, gummierte Schuhe, einen Gurt, einen mit Magnesium gefüllten Chalkbag, eine Sicherungsseil und natürlich einen Partner am anderen Ende des Seils.
Ziel ist immer zu toppen, wie das Erreichen des höchsten und letzten Griffes bezeichnet wird. Die Sicherungshaken betreten, ist absoltes Tabu. „Wir haben zwei Griffarten. Bei den positiven kann man richtig dahintergreifen, bei den negative Griffen kann man nur die Hand oder die Finger drauflegen“, erklärt die schlanke Schülerin mit den idealen Klettermaßen von 1,55 Meter Körpergröße bei nur 41 Kilogramm. Damit überwindet man leichter ein Dach, wie der Überhang in der Fachsprache heißt.
Schon drei Titel erkletterte sich Lina in diesem Jahr: die Rheinland-Pfalz- und Hessenmeisterschaft und letzten Sonntag noch die Westdeutsche Meisterschaft in Frankenthal. Beim Europacup in München ging sie ebenfalls an den Start. Viel reisen gehört zum Klettern. So sicherte sich Lina ihr Startrecht für die Deutsche Meisterschaft durch zwei vierte und einen fünften Platz bei den Deutschlandcups in Bochum, Kempten und Leipzig. Dennoch ist sie nicht zufrieden: „Ich klettere zu langsam und zu kraftbetont. Mir fehlt noch die richtige Dynamik.“
Die Vorbereitung auf die Deutsche Jugendmeisterschaft im DAV-Kletterzentrum Darmstadt verlief schleppend. Eine Erkältung warf sie zurück. Dennoch hat sich Lina viel vorgenommen: „Eine Medaille zu holen, wäre super. Aber mindestens ins Finale will ich kommen.“

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