Max Hollein erklärt den Hype um den Renaissance-Maler

Warum die Massen Botticelli lieben

2721.02.10|RheinMainFacebook
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Frankfurt – Sie trotzen der Eiseskälte, stellen sich geduldig in meterlange Schlangen. Doch zu sehen gibt es nicht etwa einen Popstar, sondern die Bilder und Skizzen eines italienischen Malers. Sandro Botticelli lockte bereits mehr 300.0000 Besucher ins Städel-Museum in Frankfurt. Ausstellungsende ist am 28. Februar. Städel-Direktor Max Hollein erklärt, was die Massen so begeistert. Von Jennifer Dreher

Der Direktor des Städel-Museums Max Hollein.

© Gaby Gerster

Der Direktor des Städel-Museums Max Hollein.

EXTRA TIPP: Wie erklären Sie sich den Hype um Botticelli?

Max Hollein: Die Ausstellung zeigt, dass Botticellis ebenso zauber- wie rätselhaftes Werk auch 500 Jahre nach dem Tod des Meisters nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

EXTRA TIPP: Wovon schwärmen Ihre Besucher besonders?

Max Hollein: Botticellis oft melancholische Figurenschöpfungen begeistern durch zeitlose Schönheit, malerische Virtuosität bei gleichzeitiger kühler Distanz. In der Ausstellung begegnet uns der Künstler als innovativer Porträtmaler, als großartiger Regisseur und als einfühlsamer Meister in der Wiedergabe der Stimmungen seiner Zeit.

EXTRA TIPP: Gab es eine vergleichbare erfolgreiche Ausstellung in der Vergangenheit?

Max Hollein: Bereits jetzt ist die Botticelli-Ausstellung mit über 300.000 Besuchern die mit Abstand erfolgreichste Schau in der Geschichte des Städel Museums. Die bisher publikumsstärksten Ausstellungen des Hauses waren Rembrandt (2003) mit 245.000 Besuchern und Cranach der Ältere (2007/08) mit 205.000 Besuchern.

EXTRA TIPP: In wenigen Sätzen: Wer war Botticelli?

Max Hollein: Sandro Botticelli ist ein Markenzeichen der italienischen Renaissance. Der zunächst zum Goldschmied ausgebildete Botticelli zählte neben Verrocchio, Ghirlandaio und den Brüdern Pollaiuolo bald zu den erfolgreichsten Malern im Florenz der zweiten Hälfte des Quattrocento. Als Tafel- und Freskenmaler gleichermaßen geschätzt, genoss Botticelli höchstes Ansehen über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus und zählte deshalb zum Kreis der Maler, die Papst Sixtus IV. zur Ausstattung der Sixtinischen Kapelle nach Rom bestellte. Zeitlebens stand Botticelli in der Gunst der regierenden Medici und ihrer Gefolgsleute.

EXTRA TIPP: Welches ist Ihr Lieblings-Botticelli-Werk?

Max Hollein: Mein Lieblingswerk der Ausstellung zeigt eine typische Botticelli-Schönheit im strengen Profil vor hellblauem Hintergrund. Der Raum wird nur durch einen schwarzen Streifen am linken Bildrand begrenzt und durch diese Reduktion der Architektur wirkt das Bild – trotz seiner knapp 500 Jahre – auf mich unglaublich modern. Es stammt übrigens nicht aus der Sammlung eines Museums, sondern von einem privaten Sammler. Unsere Ausstellung bietet somit die einmalige Gelegenheit, dieses normalerweise nicht öffentliche zugängliche Werk zu bestaunen.

EXTRA TIPP: Wann haben Besucher die Chance, die Botticelli-Ausstellung zu sehen?

Max Hollein: Um möglichst vielen Menschen den Besuch der Botticelli-Ausstellung zu ermöglichen, haben wir unsere Öffnungszeiten noch einmal verlängert. Von Dienstag bis Sonntag haben wir zwischen neun und 22 Uhr, am Freitag und Samstag sogar bis null Uhr geöffnet.

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