815.08.10|RheinMain|RheinMain|
Drucken|Empfehlen|Schrift
a
/
A||recommendbutton_count130
Schaafheim – Zum Schulanfang will Heike Reisdorf warnen und sensibilisieren. Die Schaafheimerin kämpft leidenschaftlich für Linkshänder. Sie möchte Schülern das Martyrium ihres Sohnes Jens und des Schaafheimers Marius Trippel ersparen. Reisdorf vermutet unter vielen Legasthenikern verkannte Linkshänder und fordert Händigkeitstests für alle Schüler. Von Norman Körtge

© nkö
Dank Heike Reisdorf (rotes Halstuch) schreibt Marius Trippel jetzt mit seiner richtigen, der linken Hand. Seine Mutter Angelika hatte Reisdorf um Hilfe gebeten.
Am Dienstag ist es soweit. Für Hunderte Kinder in der Region ist der 17. August der erste Schultag. Von da an greifen sie jeden Tag zum Stift. Die große Mehrheit mit der rechten Hand. So war es auch beim Schaafheimer Marius Trippel. Der heute 18-Jährige nahm den Stift mit der rechten Hand, weil es alle anderen um ihn herum so machten. Auch die Lehrer. Es war der Beginn einer Leidenszeit. Später, bei Diktaten, hatte er viele Fehler, galt als Legastheniker und verlor immer mehr den Spaß an der Schule.
Beim Fußball hingegen blühte Trippel auf, trainiert schon als Kind in der Jugendabteilung des 1. FC Kaiserslautern. Den Ball führte und schoss er mit links. Seine Lehrer aber forderten, er solle weniger Fußball spielen und sich mehr auf die Schule konzentrieren, sonst würde er keinen Schulabschluss bekommen.
Die Wende in seinem Schüler-Leben brachte ein Gespräch seiner Mutter Angelika mit Heike Reisdorf. Diese hatte mit den schulischen Problemen – unter anderem Legasthenie – ihres Sohns Jens zu kämpfen gehabt. „Eines Tages habe ich ihn in seinem Zimmer mit links malen gesehen“, erzählt Reisdorf, die als mobile Kinder- und Jugendbetreuerin arbeitet. Erst da erkannte sie, dass ihr Sohn offensichtlich ein Linkshänder ist. Sie arbeitete sich in das Thema rein, befragte Wissenschaftler und Ärzte und förderte dementsprechend ihren Sohn. Und siehe da. Die Schulnoten wurden besser.
Seither bezeichnet es Reisdorf als Skandal, dass die Händigkeit von Schulkindern nicht getestet wird, obwohl es solche Tests gibt. Deshalb möchte sie Eltern als auch Grundschullehrer für das Thema sensibilisieren. „Ich befürchte, dass unter vielen Legasthenikern verkannte Linkshänder sind“, sagt Reisdorf.
Einen generellen Test hält Heidrun Körber, die eine Beratungsstelle für Linkshänder in Rüsselsheim hat, für zu weit gegriffen. Aber: „In der Lehrerausbildung wird dieses Thema vernachlässigt oder findet gar nicht statt“, berichtet sie. Körber bestätigt, dass Legasthenie bei verkannten Linkshändern auftreten kann.
Für Reisdorf jedenfalls ist Marius Trippel der lebende Beweis für ihre Theorie. Mit ihm machte sie Übungen und Tests, förderte und forderte seine Linkshändigkeit. Mit Erfolg. In diesem Jahr hat er seinen Realschulabschluss gemacht. „Seine Lehrer haben ihm attestiert, dass wenn seine Linkshändigkeit früher erkannt worden wäre, dann hätte er auch das Abitur mit links gemacht“, erzählt seine Mutter. Aber Trippel reicht der Realschule. Jetzt konzentriert sich der Linksfuß auf seine Fußballkarriere. Für Rot-Weiß Frankfurt spielt er diese Saison in der Hessenliga.
zurück zur Übersicht: RheinMain

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden und Bekannten!
Bitte berichtigen Sie oben aufgeführte Fehler und klicken danach noch einmal auf den Absenden Button.
Bitte setzen Sie sich mit der technischen Abteilung in Verbindung.
Nicht alle Aufgaben konnten abgearbeitet werden.
Karte wird geladen...


