Staudinger-Ausbau: Bürgerinitiative befürchtet ungenießbaren Fisch durch mehr Schadstoffe

Quecksilber-Angst entlang des Mains

1308.02.10|RheinMainFacebook
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Region Rhein-Main – Die Bürgerinitiative (BI) gegen den Ausbau des Kohlekraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg schlägt Alarm. Sie befürchtet, dass der Main und die Umgebung viel stärker mit giftigen Quecksilber belastet wird. „Geangelte Fische müssten dann auf den Sondermüll“, meint BI-Sprecher Winfried Schwab-Posselt. Von Norman Körtge

Winfried Schwab-Posselt warnt vor der Quecksilberbelastung durch das Kohlekraftwerk Staudinger.

© nkö

Winfried Schwab-Posselt warnt vor der Quecksilberbelastung durch das Kohlekraftwerk Staudinger.

Mainfischer bei der Arbeit.© nhMainfischer bei der Arbeit.Olaf Adam kennt den Main und die Fische darin seit frühster Kindheit. Der Vorsitzende der Fischerzunft Steinheim hat das Fischsterben in den siebziger Jahren erlebt, und er erfreut sich jetzt der guten Wasserqualität. Der Hobbyfischer und seine Kollegen ziehen Aale, Waller und Zander aus dem Fluss. „Meine Frau verkauft den geräucherten Aal auf dem Wochenmarkt in Bruchköbel“, erzählt Adam. Regelmäßig würden die gefangenen Fische auf Schadstoffe untersucht. Bislang sei alles in Ordnung gewesen. Deshalb verfolgt er nun auch aufmerksam die Berichte darüber und kann zumindest ein „ungutes Gefühl“ nicht verheimlichen.Deutlicher wird da die Bürgerinitiative „Stopp Staudinger“ um Winfried Schwab-Posselt. Er bezeichnet das Kohlekraftwerk Staudinger als Hessens zweitgrößte Quecksilberschleuder. Schon jetzt würden pro Jahr über 70 Kilo des hochgiftigen Schwermetalls freigesetzt. „Wenn der geplante Block sechs Realität werden sollte, dann wird sich die in Luft abgegebene Quecksilberfracht um über 40 Prozent erhöhen“, meint Schwab-Posselt. Unter anderem durch abfließendes Niederschlagswasser auf versiegelte Flächen würde auch der Main stärker belastet und damit die darin lebenden Fische. Um die Bevölkerung auf die Gefahr aufmerksam zu machen, werde die Bürgerinitiative entlang des Flusses nun Warnschilder aufstellen.

Auch warten sie auf ein Gutachten. Dieses war vom Regierungspräsidium Darmstadt in Auftrag gegeben worden, nachdem Ausbaugegener während des Genehmigungsverfahrens mit erdrückenden Fakten auf die Quecksilberproblematik aufmerksam gemachten hatten. „Bislang war die Aussage von Kraftwerksbetreiber EON immer die gewesen, dass nicht mehr Schadstoffe als zuvor freigesetzt werden. Das mit dem Quecksilber beweist das Gegenteil“, sagt Schwab-Posselt.

Staudinger-Sprecherin Julia Katzenbach-Trosch bestreitet die mit dem Ausbau einhergehende Quecksilberbelastung nicht, da auch auch mehr Kohle verbrannt würde. Die Selbstverpflichtung mit den Schadstoffe habe sich nicht auf Quecksilber bezogen, sagt sie. „Aber alles befindet sich deutlich unter den gesetzlichen Richtlinien“, ergänzt sie.

Das bezweifelt Schwab-Posselt. Er verweist auf neue, strengere Grenzwerte der Europäischen Union.

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