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Brückenspringer in den Main: Immer mehr wagen den tödlichen Leichtsinn

Kopfüber in den Rollstuhl

611.07.10|RheinMain|RheinMain|
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Artikel: Kopfüber in den Rollstuhl

Region Rhein-Main – Es sollte ein Riesenspaß werden, der ultimative Kick: Ein eleganter Kopfsprung vom „Eisernen Steg“ in den Main. Erst im Juni musste ein 29-Jähriger dieses Wagnis mit dem Tod bezahlen. Immer mehr junge Menschen springen leichtsinnig in die Tiefe, für viele wird es ein Sprung in den Rollstuhl – lebenslang. Von Mareike Palmy

Gefährlicher Nervenkitzel: Wer von der Brücke springt, riskiert sein Leben.

© map

Gefährlicher Nervenkitzel: Wer von der Brücke springt, riskiert sein Leben.

Allein im letzten Jahr ertranken, laut dem hessischen Landesverband der DLRG, 30 Menschen in hessischen Gewässern. Doch als „normale“ tödliche Badeunfälle, sind diese nicht immer zu bezeichnen.

„Vor allem die sich häufenden Brückenspringer stellen eine akute Gefahr dar“, weiß Markus Verhoeven, Ermittlungsgruppenleiter der Frankfurter Wasserschutzpolizei. „Die Mainbrücken in der Stadtmitte und die Kaiserlei-Brücke in Offenbach dienen dabei als bevorzugte Sprungbretter“ erklärt Verhoeven, der dieses Jahr bereits mehrmals wegen solcher Fälle ausrücken musste. „Die Springer riskieren nicht nur ihr Leben, sondern begehen auch gleichzeitig einen Verstoß gegen die Badeverordnung , der als Ordnungswidrigkeit geahndet wird“, warnt Verhoeven die Springer.

Aus Leichtsinn wird schnell tödlicher Ernst

Für 30 Hessen endete 2009 der Badeausflug tödlich.© GeorgFür 30 Hessen endete 2009 der Badeausflug tödlich.

Was als Gaudi beginnt, endet oft in der Querschnittslähmung. Das Wasser ist an vielen Stellen mit zwei bis drei Metern zu flach – vor allem in der Nähe der Brückenpfeiler.

Auch Hans-Jürgen Kohnert, Brandoberinspektor und Pressesprecher des Wasserrettungsdienstes der Berufsfeuerwehr Frankfurt, kennt das Problem. Bereits vier Mal mussten Taucher per Schnellboot diese Jahr zur Rettung ausrücken: „Der Main ist eine Bundeswasserstraße, also ist baden grundsätzlich darin verboten, reinspringen erst recht!“

Für viele Springer kommt jede Hilfe zu spät

Leben retten ist auch der Job von Heribert Hennig, Brandinspektor der Stadt Mühlheim. Zwischen drei bis fünf Mal rückt er jedes Jahr aus, um im Naherholungsgebiet Dietesheimer Steinbrüche verunglückte Schwimmer zu retten. Nicht immer erfolgreich. Denn im Wasser lauert oft der Tod.

Erst im vergangenen Sommer konnte bei den Dietesheimer Steinbrüchen ein Klippenspringer nur noch leblos aus sechs Meter Wassertiefe geborgen werden. Todesursache: Genickbruch. Auch im Jahr 2007 bezahlte ein junger Mann seinen leichtsinnigen Sprung von der Canyon-Brücke mit einer lebenslangen Querschnittslähmung.

Erschreckend: Immer mehr Mädels folgen dem Wahnsinn. Oft ist Alkohol und Sorglosigkeit im Spiel. Erst am vergangenen Mittwoch hat die Feuerwehr wieder kurz nach Mitternacht eine 24 Jahre alte Frau in Höhe Eiserner Steg aus dem Main gerettet.

Immer mehr Mädchen folgen dem Trend

Dabei ist das Hineinspringen in unbekannte Gewässer immer gefährlich. Strömungen, Wellengang und kaltes Wasser können zu Krämpfen führen und die Rückkehr an Land verhindern. Viele überschätzen sich und unterschätzen die Strömung. Sogwirkungen oder Schiffsschrauben können für die Brückenspringer zur tödlichen Falle werden. „Wo Wasser ist, ist auch Gefahr, das sollte jedem Schwimmer und Springer bewusst sein. Ein Sprung ins Wasser kann auch immer tödlich enden“, sagt Verhoeven von der Wasserschutzpolizei.

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