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Krav Maga hilft auch Nicht-Sportlern, sich gegen tatsächliche Angriffe zu verteidigen

Gegen Gewalt auf der Straße muss die Festplatte wackeln

Offenbach – Schnell, schnörkellos und unbeschadet Angriffe auf der Straße abwehren: Das ist Krav Maga. Urspünglich entwickelt für die israelische Armee, lernen in Offenbach Büroangestellte, Notärzte und Sozialarbeiter die Selbstverteidigungstechnik. Von Dirk Beutel

© db

Zum Abschluss einen Tritt in die Weichteile: Krav Maga-Schüler Sven Masur (links) wehrt den Messerangriff von Oliver Bechmann ab.

Beate Bechmann hält ihrem Mann Oliver eine Messerklinge an den Hals und bedroht ihn: „Näher kann euch ein Angreifer nicht mehr kommen“, erklärt der 52-jährige Krav-Maga-Trainer. Ruckartig streckt er seinen linken Arm durch, drückt dabei die Klinge von sich. Mit seiner rechten Faust simuliert er zwei schnelle Sschläge gegen den Kopf, danach setzt es zwei Tritte in die Weichteile. „Und dann schnell weg“, sagt Bechmann.

Bei der Selbstverteidigungstechnik Krav Maga kommt es nicht auf eine ausgefeilte Technik oder harmonische Bewegungsabläufe an. Es geht auch nicht darum, in einem Wettkampfturnier die meisten Punkte zu erkämpfen. Das einzige Ziel, das Krav Maga verfolgt, ist einen Angriff auf der Straße, in der Kneipe oder der U-Bahn mit wenigen Schlägen und Tritten abzuwehren und zwar möglichst unbeschadet. Die Technik basiert auf instinktivem Verhalten und natürlichen Körperreflexen und kann jeder lernen, auch Nicht-Sportler ohne Kampferfahrung. „Wir trainieren das Aufbäumen in der Verzweiflung“, erklärt Bechmann der zusammen mit seiner Frau Beate seit acht Jahren das Krav Maga Center in Offenbach betreibt.

Realistische Situationen im Training

Unsere Kunden sind meist Büroangestellte und Polizisten, aber auch Sozialarbeiter, Taxi- oder Lastwagenfahrer sind dabei“, sagt Bechmann. Oder Notärzte, wie Andreas Winckler (Name von der Redaktion geändert). Der gelernte Chirurg trainiert seit einer Woche Krav Maga. Er hat ein klares Ziel: „Ich will mich gegen unvorhergesehene Angriffe wehren können.“ Als Notarzt ist der 35-Jährige schon Öfter in brenzlige Situationen geraten: „Vor allem Drogen- oder Alkohol-Patienten reagieren besonders aggressiv.

Auch Sven Masur hat die Brutalität seines Berufsalltags zum Krav-Maga-Training geführt. Der Sozialarbeiter war bis vor Kurzem in einem Jugendwohnheim für erwerbslose junge Erwachsene in Offenbach beschäftigt. Dort durfte er Hausverbote aussprechen. Doch seine Autorität wurde oftmals von gewaltbereiten und aggressiven Bewohnern untergraben. Die Erinnerung, als ihn ein Junge darum bat, ihn vor einem Schlägertrupp zu verteidigen und er diesen Wunsch nicht erfüllen konnte, hat sich in sein Gedächtnis eingebrannt: „Ich konnte nicht mehr in den Spiegel schauen, weil ich ihm nicht helfen konnte. Hätte ich mich damals diesen Typen gestellt, hätten die uns beide vermöbelt.“ Masur hat keine Lust zu kämpfen, aber wenn es darauf ankommt, will er vorbereitet sein und nicht auf die Polizei warten müssen.

Tritt in die Weichteile besonders wichtig

Deshalb werden im Training so realistische Situationen wie möglich durchgespielt. Dabei spielt auch die Kleidung eine Rolle: „Wenn jemand in seinem Anzug trainiert möchte, kann er das gerne tun“, sagt Bechmann. Entscheidend sei, den Überblick in einer Stresssituation zu behalten und Angst in Gegenaggression umzuwandeln. „Im Kampf muss es knallen. Die Festplatte muss wackeln“, sagt Bechmann zu seinen Schülern.

Weil ein Angreifer in der Regel technisch nicht viel zu bieten hat und nur sein aggressives Auftreten ihm einen Vorteil verschafft, werden besonders Tritte und Schläge gegen anfällige Körperteile trainiert. Dass diese ziemlich grobmotorisch aussehen ist zweitrangig. Sie müssen in einer Stresssituation funktionieren. Das gelte gerade für Frauen, die ihren Angreifern meist körperlich unterlegen sind. Für sie ist der Tritt in die Weichteile besonders wichtig. Bechmann: „Es ist kein Allheilmittel, aber dort kann sich kein Mann etwas hintrainieren.

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