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Mühlheimer Elektrotechniker erfindet die künstliche Sonne und begeistert die englische Königin

Er bringt uns das Licht der Zukunft

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Artikel: Er bringt uns das Licht der Zukunft

Mühlheim – Queen Elizabeth II. brachte er mit seiner Erfindung zum Lächeln. In den Niederlanden bestückt er riesige Gartenhallen, das höchste Gebäude der Welt in Dubai erstrahlt bald mit seiner Technologie und selbst die amerikanische Raumfahrtagentur Nasa ist scharf auf seine Lampen. Mit seiner künstlichen Sonne revolutioniert Boris Lutterbach unsere Welt. Von Andreas Einbock

Links die schwefelgefüllte Glaskugel, rechts das Gehäuse mit Steuereinheit und dem Reflektor: Boris Lutterbach zeigt die Einzelteile seiner Super-Lampe.

© ane

Links die schwefelgefüllte Glaskugel, rechts das Gehäuse mit Steuereinheit und dem Reflektor: Boris Lutterbach zeigt die Einzelteile seiner Super-Lampe.

Der 34-Jährige stellt mit seiner Technologie jede Energiesparlampe in den Schatten. Denn seine effizientere Schwefel-Plasma-Lampe hat eine Energieausbeute von 75 Prozent, bildet zudem das ganze Sonnenlichtspektrum ab und eröffnet somit unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten. „In England fahren Roboter-Fahrzeuge mit den Lampen über den Rasen und sorgen für eine schnellere Regeneration des Rasens.“ Mit dem Stadionmanager des englischen Erstligisten Newcastle United habe er sogar eine Wette laufen: „Wenn wir mit den Lampen mindestens 15 Prozent der Energie einsparen, bekommen wir ein Jahr lang eine kostenlose Werbebande.“ Bei Manchester United sollen neben dem Rasen auch die Spieler leistungsfähiger werden: „Mitte März statten wir deren Mannschaftskabine damit aus.“

Er begeistert sogar die Queen

Selbst Königin Queen Elizabeth II. konnten Lutterbachs Lampen bei der Eröffnung eines Technikparks ein Lächeln abringen, was ein Video auf seiner Homepage zeigt. Selbst der Kreml, das Weiße Haus und Militärs aus der ganzen Welt hätten schon auf seine Firmen-Homepage geschaut.

In der Natur erzielen die Leuchten ein 65 Prozent höheres Biomassenwachstum. „Die Gartenbauindustrie und die Landwirtschaft in Holland verwendet es bereits für die Gurken- und Tomatenzucht. Dann schmecken die Dinger wenigstens nicht mehr nach Wasser“, scherzt Lutterbach und fügt hinzu: „Damit lässt sich auch die Algenproduktion enorm steigern, was wiederum für Biodiesel und die Lebensmittel- und Pharmaindustrie interessant ist.“ Momentan bastelt er daran, sein Licht per Glasfaserkabel zu verbreiten. Dadurch könnte die Straßenbeleuchtung 40 Prozent Energie sparen. „Mit dieser Technik würde eine einzige Lichtquelle genügen, um eine ganze Stadt zu beleuchten“, schwärmt er.

Kaputte Lampe weckte den Ehrgeiz

Dabei wollte der gelernte Elektrotechniker nur Energiesparlampen vertreiben. Vor sieben Jahren lernte er seinen heutigen Partner Clive Wing aus London kennen, der damals die ersten Schwefel-Plasma-Lampen aus China in Europa vertrieb. „Als die Dinger nach einer halben Stunde kaputt gingen, war unser Ehrgeiz geweckt“, erinnert sich Lutterbach an die Anfänge. Mit sechs Geschäftspartnern aus der Leuchtmittelindustrie machte er sich mit der Plasma International GmbH selbstständig. Aus Ersatzteilen alter Mikrowellenkammern, einer Steuereinheit und einem so genannten Magnitron bastelte er den ersten Prototyp.

Die Nasa hat die nicht ganz ungefährliche Technik in den 1980er Jahren entwickelt. Lutterbach erklärt sie so: „ImPrinzip funktioniert alles wie bei einer Mikrowelle. Nur statt einer Pizza erwärmen wir das Leuchtmittel.“

Licht macht nicht müde

Ihre Versuchen filmten sie, verbreiteten sie im Internet und lockten den südkoreanischen Elektronik-Konzern LG eletcronics an: „Eines Tages standen drei Herren vom Vorstand in meinem Büro und wollten unseren Entwicklungsstand.“ Während die Herren mit Lutterbachs Erkenntnissen abreisten, um nach zwei Jahren die Forschung ergebnislos einzustellen, perfektionierte er das System weiter und sicherte sich die Patente. „Das harmonische Licht regt die Melantonin-Produktion im Körper an. Deshalb macht es nicht müde“, zählt er einen weiteren Vorteil der Leuchten auf.

Derzeit kostet die Standardausführung 4000 Euro und hat eine Lebensdauer von mindestens 60.000 Stunden. In Handarbeit werden die Einzelteile im Schwarzwald und im Odenwald gefertigt. Bei der Endproduktion in Thüringen werden bis zu 200 Exemplare pro Monat zusammengebaut. „Ab März werden wir die Zentrale in Waldhof beziehen und von da den Vertrieb zentral steuern“, sagt Lutterbach, der dafür 20 kaufmännische Arbeitsplätze schafft und die Produktion auf eine Million Lampen im Jahr hochfahren will. Das könnte ein weiteres königliches Oberhaupt zum Lächeln bringen: „Im Juni habe ich einen Termin bei Prinz Charles.“

       

• Eine Glaskugel, die mit dem ungiftigem Edelgas Argon und mit etwa 30 Milligramm Schwefel (Sulphur) gefüllt ist, wird mit Mikrowellen bestrahlt.

• Ein Computer regelt die Mikrowellen-Leistung, die zwischen 300 und 1360 Watt liegt.

• Durch die Bestrahlung ändert der Schwefel seinen Aggregatzustand von fest über flüssig bis zum Plasma.

• Bei diesem etwa 1500 Grad heißen Entladungsprozess geben Ionen und Elektronen ihre Energie in Form von Photonen (Licht) ab. Reflektoren verteilen das Licht.

• Werden die Mikrowellen abgeschaltet, wandelt sich das Schwefel-Plasma zurück und der Prozess kann erneut starten.

• Ein Käfig über der bestrahlten Glaskugel schirmt die Mikrowellen ab.

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