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Frankfurter Polizist bildete am Hindukusch Einheimische aus

Afghanistan: Im Eiltempo zum Polizisten

Frankfurt – In Afghanistan werden Freiwillige im Eiltempo zu Polizisten ausgebildet, um einmal selbst in ihrem Land für Sicherheit zu sorgen. Trainiert werden sie vom German Police Project Team (GPPT). Einer der Ausbilder war der Frankfurter Lars Gerdes. Von Dirk Beutel

© nh

Am Ende der Ausbildung gibt es ein Zertifikat.

© nhAnderthalb Jahre hat Lars Gerdes (links) afghanische Polizisten ausgebildet.

Gerade einmal acht Wochen dauert in Afghanistan eine Ausbildung zum Polizisten im einfachen Dienst. Und das, obwohl die meisten von ihnen weder lesen noch schreiben können. „Die Alphabetisierung war für uns das größte Problem“, sagt Lars Gerdes. Er war einer von etwa 200 Bundespolizisten, die am Hindukusch dafür eingesetzt werden, einheimische Polizeikräfte auszubilden. „Hilfe zur Selbsthilfe“, wie es der damalige Leiter der strategischen Planung nennt. Etwa anderthalb Jahre wurde Gerdes direkt in Kabul eingesetzt. „Mich hat die Herausforderung des Aufbaus einer neuen Polizeiorganisation gereizt,“ sagt Gerdes, der seit Dezember wieder zu Hause ist. Seit Januar ist der gebürtige Flensburger neuer Leiter der Bundespolizeidirektion Kriminalitätsbekämpfung am Frankfurter Flughafen.
In Afghanistan müssen Bewerber quasi im Crash-Kurs den richtigen Umgang mit der Waffe lernen, genauso wie die Grundbegriffe der Personenkontrolle. Besonders wichtig für die künftigen Polizisten: Kampfpraxis. Die allerdings lernen die Rekruten bei der Armee. Denn nicht selten werden gerade afghanische Polizisten von Aufständischen attackiert. Ein landestypisches Problem: „Die Polizei hat innerhalb der Bevölkerung einen unglaublich schlechten Ruf. Vielen wird Korruption vorgeworfen,“ sagt der 39-Jährige. Was das Verhältnis zwischen Ausbildern und Auszubildenden anbelangt, kann Gerdes nur positives berichten: „Die Rekruten hatten alle großen Respekt vor uns und waren durchweg lernbereit,“ berichtet Gerdes. Mehr noch: „Die Afghanen waren stolz, von deutschen Polizisten trainiert zu werden.“ Als Unterkunft diente Gerdes ein Wohncontainer: „Das hört sich nicht spektakulär an. Aber bei den amerikanischen Streitkräften war so eine Unterbringung nur Generälen vorbehalten,“ sagt Gerdes.

Deutsche Polizisten bilden unter Zeitdruck aus

Sein Gefühl, einen nachhaltigen Beitrag zur Sicherheit in Afghanistan geleistet zu haben, wird allerdings getrübt. Zu viele afghanische Polizisten kehren nach der teuren Ausbildung ihrer Einheit den Rücken. Ein lebenslanges Beamtenverhältnis wie in Deutschland gibt es in Afghanistan nicht: „Entweder sie müssen wieder beim Vater auf dem Acker helfen oder bekommen irgendwo einen anderen Job,“ sagt Gerdes. Dieses Problem versucht die Bundespolizei mit sogenannten Attraktivitätsprogrammen (Prämien, Beförderungen, Fortbildungen) in den Griff zu bekommen. Ob es sich um mehr als ein Gerücht handelt, dass einige von ihnen zu den Taliban überlaufen, kann Gerdes nicht bestätigen.

Bis Ende 2012 sollen 157.000 afghanische Polizisten ausgebildet sein. Ein enormer Zeitdruck, der die Einsatzkräfte dazu zwingt, zunächst einmal vornehmlich Masse hervorzubringen. In theoretischen Vertiefungskursen wird den Polizisten neben der praktischen Ausbildung erklärt, wie eigentlich ein ideales Verhältnis zwischen Bevölkerung und der Polizei aussehen sollte und welche Rechte Bürger und Festgenommene haben.

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