Frankfurt – Zehenfreie Plateau-Schuhe mit 25 Zentimeter Absätzen bringen die Männer im Frankfurter Bahnhofsviertel regelmäßig ins Schwitzen. Und ihre Trägerinnen auch. Niemand weiß das besser als Schuhladen-Besitzer Günther Immich. Fast alle seiner Kundinnen sind Huren. Von Christian Reinartz

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Orlando-Besitzer Günther Immich weiß, was Huren und Freier wollen: Hohe Schuhe in grellen Farben.
„Es gibt Schuhe für die Straße und Schuhe fürs Bett“, stellt Günther Immich klar: „Und ich verkaufe letztere.“ Der große Lockenkopf macht es sich auf dem schwarzen Ledersofa seines Ladens Orlando-Schuhe an der Kaiserstraße bequem. Laufkomfort? Darum geht‘s nicht. Bei Immichs Schuhen geht‘s nur um eins: Sie müssen sexy aussehen.
Sexy heißt: Halsbrecherische Absätze, glitzernde Schnallen, transparente Sohlen und jede Menge Lack und Leder. Hunderte Paare reihen sich aneinander. Pinke, rote und schwarze Stiefel, so lang wie ein ganzes Frauenbein, baumeln an Haken vor einem riesigen Spiegel und warten darauf, anprobiert zu werden. Das Sortiment lässt sich wie ein Ratgeber mit dem Titel „Darauf stehen Frankfurter Männer!“ lesen. Denn Immich weiß mittlerweile genau, was die hiesigen Huren und ihre Kunden wollen. Seit 1978 schwören die Prostituierten aus dem Bahnhofsviertel auf das winzige Ladengeschäft, kaufen dort regelmäßig ihre Arbeitsschuhe. Immich selbst ist seit zehn Jahren dabei, hat das Unternehmen von seinem Schwiegervater übernommen.
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