1921.02.10|Aufreger|1 KommentarFacebook
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Babenhausen – Bahnstationen sind oft dreckig, von Graffitis verschandelt und mit kaputten Automaten ausgestattet (der EXTRA TIPP berichtete). Damit könnte Friedrich Richter irgendwie noch zurecht kommen. Für den Rentner stellt vor allem die 40 Zentimeter Einstiegshöhe eine Hürde dar. Von Andreas Einbock

© ane
Friedrich Richter kraxelt hinauf in den Zug.
Die Bahnstation in Babenhausen wirkt auf den ersten Blick wie viele andere: Die Unterführung ist verschmutzt, Fliesen sind abgefallen, zu den Treppenaufgängen gelangt man nur im Zick-
Während der Zug einfährt, schaut eine ältere Dame hektisch nach der Waggontür für die Fahrräder: „Da hat man wenigstens noch eine Chance, allein in den Zug zu kommen. Nur ich weiß nie genau, wo diese Tür sein wird.“ In der Zugmitte lässt Richter dem Pulk der Kinder den Vortritt, ehe er das Problem vieler Älterer verdeutlicht. Mit dem Gehstock in der linken Hand ergreift er mit beiden Händen das Geländer im Waggon, senkt den Kopf, konzentriert sich auf die ausgeklappte Stufe und zieht sich mühevoll in den Wagen. „Das ist doch eine absolute Zumutung. Sie müssten mich erstmal aussteigen sehen. Das geht nur rückwärts wie bei einem Krebs“, schimpft der Rentner über den hohen Abstand zwischen Bahnsteig und Treppenstufe. „Ich hab‘s mal ausgemessen und kam auf 40 Zentimeter. Wie sollen das die Alten schaffen?“
Aus lauter Frust fahre er mit dem Auto oft große Umwege, nehme dabei noch andere Senioren mit zu anderen Bahnstationen oder fahre gleich mit dem Bus. „Der braucht aber statt zwölf fast 50 Minuten für die Strecke.“
Bei der Deutschen Bahn ist das Problem bekannt „Wir haben eben die historischen Altlasten, aus denen wir das Beste machen müssen“, sagt Hartmut Lange, Pressesprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt, und ergänzt: „Die Station in Babenhausen ist über 150 Jahre alt und alle 20 Jahre gibt es eine neue Waggon-
Rentern wie Friedrich Richter nützt das nichts. Sie werden weiterhin riskante Einstiegsmanöver auf sich nehmen müssen oder gleich auf die Bahnfahrt verzichten.

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