029.08.10|Aufreger|Aufreger|2
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Region Rhein-Main – Sie zucken, schlagen um sich und schreien wie wild – Schuld daran sind mysteriöse MP3-Dateien, die sich immer mehr Jugendliche aus dem Internet herunterladen und anhören. Suchtberater aus der Region sind alarmiert und warnen vor den Ohr-Drogen: Sie könnten Psychosen verursachen. Von Christian Reinartz

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Geht ins Ohr, bleibt im Kopf! I-dosing nennt sich die mysteriöse Ohr-Droge.
Erst ist nur ein Rauschen zu hören, dann ein Knacken und Fiepsen, das sich zu einem bestialischen Kreischen steigert. Schon nach wenigen Sekunden macht sich beim Hörer eine seltsame Unruhe breit. Einige berichten von einer Art „inneren Vibration“.
„Nach zehn Minuten kommen dann plötzlich Halluzinationen“, berichtet ein 19-jähriger Nutzer im Internet: „Ich habe Farbexplosionen gesehen und mir war schwindlig.“ So wie er, testen offenbar immer mehr Jugendliche aus der Region die mysteriösen, aber legalen, MP3-Dateien aus. So viele, dass mittlerweile hiesige Drogenexperten alarmiert sind.
Der Frankfurter Drogen-Experte Bernd Werse vom „Center for Drug Research“ an der Uni Frankfurt hält die berauschende Wirkung dieser Musikstücke für durchaus möglich: „Wir wissen seit jeher, dass bestimmte schamanische Gesänge und Trommelmusik Menschen in einen Trance-Zustand versetzen können.“ Eine richtige Abhängigkeit oder eine Schädigung des Körpers wie bei stofflichen Drogen hält er jedoch für abwegig.
Dennoch sieht Weser in den Ohr-Drogen aus dem Internet eine ernst zu nehmende Gefahr: „Wir wissen aus Erfahrung, dass je früher ein Jugendlicher Rauschzustände erlebt, desto anfälliger ist er, später regelmäßig richtige Drogen zu konsumieren.“
Dr. Hartmut Müller, Oberarzt der Psychiatrie im Klinikum Offenbach bestätigt diese Beobachtung: „Wenn einer einmal einen Rauschzustand erlebt hat, wird er in Zukunft das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen, wenn er keine Drogen nimmt.“ Fachleute sind sich außerdem darüber einig, dass solche Rauschzustände zu Psychosen führen können.
Die Frankfurter Drogenberatung Dropin warnt: „Das hat etwas Psychedelisches. Und da besteht die Gefahr einer dauerhaften Persönlichkeitsveränderung.“
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