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„Hier geht es doch um Tiere, nicht um penible Buchhaltung“

Frankfurter Tierschutzverein streicht alle Gelder für Stadttaubenprojekt

„Hier geht es doch um Tiere, nicht um penible Buchhaltung“

Offenbach/Frankfurt – Nach der Freude darüber, dass aus dem Frankfurter Stadttaubenprojekt ein eigener Verein hervorgegangen ist (wir berichteten), kommt jetzt der tiefe Fall. Von Christian Reinartz

Gudrun Stürmer (rechts) und ihre Helfer sind fassungslos: Ohne die Unterstützung vom TSV können die Tauben bald nicht mehr versorgt werden.

© rz

Gudrun Stürmer (rechts) und ihre Helfer sind fassungslos: Ohne die Unterstützung vom TSV können die Tauben bald nicht mehr versorgt werden.

Der Frankfurter Tierschutzverein (TSV), der bisher das Vogelschutzprojekt von Gudrun Stürmer mit etwa 90.000 Euro pro Jahr unterstützt hat, streicht alle Gelder. Obwohl tausende Tauben aus der Region nun plötzlich nicht mehr richtig versorgt werden können, pocht der neue Vorsitzende des TSV, Walter Rotter auf eine ordentlich geführte Buchhaltung. Sein Vorwurf: „Frau Stürmer hat bestimmt die Tauben gut versorgt, aber die Verwaltungsangelegenheiten vernachlässigt. Außerdem hat sie einen eigenen Verein gegründet. Also sind wir nicht mehr verantwortlich.

Für Gudrun Stürmer, die bis Ende Oktober 2009 selbst Vorsitzende des TSV gewesen ist, kam der Bruch nicht unerwartet. Walter Rotter habe bei der Mitgliederversammlung das Projekt als zu teuer dargestellt und Tauben als Objekte tituliert, erinnert sich die Tierschützerin. Trotzdem wurde Rotter, der ehemals in der freien Wirtschaft als Prokurist tätig war, zum Vorsitzenden gewählt. „Drei Tage später ging der Ärger los“, so Stürmer. Zunächst wurde ein Mitarbeiter abgezogen, Schlüssel wurden einkassiert und Medikamente für Tiere nicht bezahlt. Dass die Tauben bisher noch nicht verhungert sind, verdanken sie dem Engagement der Helfer, die Stürmer die Stange halten. Die ist fassungslos: „Wie kann gerade der Vorsitzende eines Tierschutzvereins nur so viele Tiere ins Unglück stürzen?“ Stürmer selbst vermutet dahinter eine persönliche Abneigung gegen Tauben.

Walter Rotter gibt sich ob dieses Vorwurfs unbeeindruckt: „Der Vorstand entscheidet über Geld und Personalplanung. Auch wenn Mitglieder mir schon unterstellt haben, ich sei gegen das Projekt: Ich habe nichts gegen Tauben!“ Projektmitarbeiterin Beate Schmitt kann das nicht glauben: „Ein Tierschutzverein ist kein Wirtschaftsunternehmen. Hier geht es doch um Tiere und nicht um penible Buchhaltung.

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