003.03.10|KinoFacebook
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Tim Burtons „Alice im Wunderland“ ist viel mehr als eine schlichte Neuverfilmung. Den großartigen Auftritt von Johnny Depp als verrückter Hutmacher sollte man nicht verpassen.

© ap
Erwartungsgemäß großartig: Johnny Depp als verrückter Hutmacher in „Alice im Wunderland“.
Was geschieht mit unseren Kindheitsträumen, wenn wir älter werden? Sie dunkeln ein, verwahrlosen, werden – sich selbst überlassen – schrullig. So jedenfalls sieht’s aus, als Alice (Mia Wasikowska), zur jungen Frau gereift, noch einmal dem Korsett der viktorianischen Gesellschaft entflieht und in ihr „Wunderland“ zurückkehrt.
Nein, diese „Alice“ ist keine schlichte Neuverfilmung – sie ist ein Remix der bekannten Geschichte, Motive, Figuren. Und auch wenn die Titelheldin nun schon kurz vor einer möglichen Ehe steht, auch wenn sich herausstellt, dass der wahre Name ihres Fantasiereichs „Unterland“ ist: Es geht nicht um eine neue Traum-
Die wahre Sensation des Films aber: Helena Bonham Carters „Rote Königin“ – eine buchstäblich großkopferte Despotin, deren Herz sich nach Bewunderung sehnt. Aber weil sie die nicht in Form von Zuneigung bekommt, nimmt sie als Ersatz die Angst und die Arschkriecherei ihres Hofstaats: Armes Kleinvieh muss ihr als Mobiliar dienen, und damit sie mit ihrem überdimensionierten Schädel nicht als Freak erscheint, pappen ihre Vasallen sich falsche Deformationen an. Sie ist eine Bösewichtin, die man genausogut als wahre Heldin des Films sehen könnte – zumal hinreißend erkennbar wird, dass ihre angeblich „gute“ Schwester und Gegenspielerin (Anne Hathaway) auf ihre Weise mindestens ebenso gruselig ist.
Es ist so überraschend wie bezeichnend, dass es diese Charakteraspekte sind, die an dem Film am meisten begeistern: Man hätte von der Kombination Tim Burton und Lewis Carrolls episodisch-
von Thomas Willmann