Berlin - Schon vor fast 30 Jahren fanden sich Hinweise über den sexuellen Missbrauch von Schülern an einem Berliner Elitegymnasium in den Akten der Jesuiten.

© dpa
Ordensführer Stefan Dartmann.
Bereits im Jahr 1981 sei in einem offenen Brief in verklausulierter Form darauf hingewiesen worden, sagte Ordensführer Stefan Dartmann am Montag in Berlin. “Ich schäme mich dafür, dass damals nichts unternommen worden ist“, fügte er hinzu. Dartmann bat nicht nur die mindestens 20 Opfer der sexuellen Übergriffe in Berlin um Entschuldigung für die Missbräuche. “Ebenso bitte ich um Entschuldigung für das, was von Verantwortlichen des Ordens damals an notwendigem und genauem Hinschauen und angemessenem Reagieren unterlassen wurde.“
Beide Jesuiten waren Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre aus dem Orden ausgeschlossen worden. Einer der beiden Lehrer habe aus Chile geschrieben und seinen Austritt damit begründet, er wolle “dem Teufelskreis von Verfehlungen“ entgehen und heiraten.
Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, sagte, es sei “vielleicht ein Skandal“, dass die Verjährensfrist bei sexuellen Übergriffen ohne Vergewaltigung nur zehn Jahre betrage. Obwohl er früher Hinweise bekommen habe, sei ihm erst jetzt der “systematische Charakter der Übergriffe klargeworden“. Im Jesuitenorden gebe es nur interne Anzeigepflichten. Er frage sich deshalb: “Stimmt unser Verfahren?“
Inzwischen hat der Orden die Rechtsanwältin Ursula Raue beauftragt, die Missbrauchsfälle zu untersuchen. Sie ist die unabhängige Beauftragte der Jesuiten für Missbrauchsfälle. Sie wolle innerhalb der nächsten 14 Tage einen Zwischenbericht vorlegen, sagte Dartmann.
Der oberste Jesuit erklärte, seit 1978 habe er rund 1.200 Mitbrüder gehabt. Man könne jetzt “nicht auf Verdacht alle Akten durchstöbern“ und nach weiteren Missbrauchsfällen suchen. Es gelte vielmehr ein Klima von Aufklärung und Vertrauen zu schaffen. “Die Dinge sind vorgekommen, und ich fürchte, sie werden auch weiter vorkommen“, sagte Dartmann.
DAPD
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