003.02.10|News&Welt|News&Welt|
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Berlin - Der Missbrauchsskandal am Berliner Gymnasium Canisius-Kolleg weitet sich aus. Mittlerweile hat ein dritter Jesuit sexuellen Missbrauch von Schülern zugegeben und sich selbst angezeigt.

© dpa
Der Missbrauchsskandal an Schulen und Einrichtungen des katholischen Jesuiten-Ordens nimmt immer größere Dimensionen an. Mittlerweile gestand ein dritter Pater sexuelle Übergriffe auf Jugendliche in Hannover, drei Opfer hatten sich gemeldet.
Schulleiter Klaus Mertes sagte dem “Tagesspiegel“ vom Mittwoch, er gehe davon aus, “dass das erst die Spitze des Eisbergs“ sei. Die Jesuiten befürchten, dass es auch an anderen Orten solche Übergriffe gegeben hat. Nachdem bekannt wurde, dass sich zwei ehemalige Patres des Jesuitenordens sexueller Übergriffe auf wohl mindestens 30 Gymnasiasten in den 70er und 80er Jahren schuldig gemacht haben, offenbarte der Orden einen weiteren Fall. Provinzial Stefan Dartmann teilte mit, es gebe einen weiteren Jesuiten, “der sich zu sexuellen Übergriffen bekannt hat“.
Mertes sagte dem “Tagesspiegel“, er habe schon vor 15 Jahren von Gerüchten über Missbrauch am Canisius-Kolleg gehört. “Seitdem versuche ich herauszufinden, was da dran ist. In den Schulakten habe ich nichts gefunden“, sagte er. Er habe den ehemaligen Schülern immer wieder bei Jahrgangstreffen gesagt, dass er für das Thema offen sei. Aber erst vor vier Jahren habe sich ein ehemaliger Schüler offenbart. “Die Übergriffe hatten den Charakter von Initiationsriten, da sind wir auf der Ebene des Systems. Da musste ich an die Öffentlichkeit.“ Ein heute 45 Jahre alter früherer Schüler des Berliner Canisius-Gymnasiums hatte unter anderem berichtet, er habe Schläge auf den nackten Po bekommen.
Der Skandal betrifft offenbar bundesweit Einrichtungen der Jesuiten. So wird ein ehemaliger Sportlehrer des Kollegs verdächtigt, drei Schüler in Hamburg und zwei Schüler in St. Blasien im Schwarzwald sexuell belästigt zu haben. Außerdem soll er weitere Missbräuche in Chile und Spanien eingeräumt haben. Es habe sich um “exzessive körperliche Bestrafungsrituale“ gehandelt, berichtete die Rechtsanwältin Ursula Raue, die im Auftrag der Jesuiten die Vorfälle untersucht. Bei einem als Täter verdächtigen ehemaligen Religionslehrer gibt es laut Ordensleitung Hinweise darauf, dass er nach seiner Zeit in Berlin sowohl in Mexiko als auch in Göttingen und Hildesheim Mädchen unsittlich berührt hat. Dieser Pater verlies den Orden 1985.
Ein Jahr später wurde auf ihn ein Mordanschlag verübt, den er laut Dartmann leicht verletzt überlebte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Doch sexueller Missbrauch ohne Vergewaltigung verjährt in Deutschland zehn Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahres des Opfers. Laut einem Bericht der “Bild“-Zeitung erwägen und prüfen einige der Opfer eine Klage auf Schadenersatz.
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