Geliebt und geschmäht: Die Deutschen und ihr Dackel

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Die Clubsieger-Ausstellung des traditionsreichen Teckelclubs ist das größte Treffen der Dackelzüchter im Jahr. Mehr als 300 Hunde werden präsentiert und bewertet. Foto: Marcel Kusch

Sein Körper ist eher wurstig denn würdevoll, seine Sturheit Legende: Der Dackel ist typisch deutsch und doch längst nicht mehr so beliebt, wie er einmal war. Wer den Dackel verehrt, weiß warum. Besuch bei einem von Deutschlands wichtigsten Dackeltreffen.

Verl (dpa) - Mit den Jagdhornbläsern setzt das Dackelgeheul ein. Die etwa 300 kurzbeinigen Rassehunde wissen, dass sie gleich losgeht, die Jagd nach Titeln und Trophäen auf einer der wichtigsten Dackelausstellungen der Republik. Der traditionsreiche Deutsche Teckelklub kürte am 31. Juli im ostwestfälischen Verl seine Sieger und damit die formschönsten ihrer Art.

"Der Kopf muss stolz getragen werden. Das ist für mich das Wichtigste", sagt Günter Beike. Der Züchter aus dem Tecklenburger Land trägt den Bart wie seine neue Zuchthoffnung, Rauhaardackel Othello, dem er zärtlich über den Kopf streicht. Gleich wird der junge Rüde vor den Richtern durch den Ring promenieren, muss Zähne zeigen, wird gemessen und bewertet. "Schauen sie nur, wie aufrecht und selbstbewusst er steht, wie er sich langmacht", schwärmt Beike.

Es ist dieser leichte Größenwahn des Dackels, den die Herrchen mögen. Selbstüberschätzung und Sturheit gehörten schon deshalb zum Wesen, weil der Jagdhund trotz seiner Kompaktheit furchtlos durch Fuchs- und Dachbauten stöbern soll, erklären die Experten. Verschmust und freundlich wie er sei, sei er ein guter Familienhund, klein genug für die Stadtwohnung, sagt Züchter Beike.

"Ich kann ihn überall mit hin nehmen. Auch auf den Hochsitz", sagt Dackelbesitzerin Nicole Heitzig aus dem Sauerland. Fast die Hälfte aller 20 000 Teckelklub-Mitglieder sind Jäger.

Auch im Ausland schwärmt man für den deutschen Dachshund. Ekaterina Domogatskaya, Vize-Präsidentin des Russischen Dachshund Clubs, ist für das Züchtertreffen mit dem Auto aus Moskau angereist. "Die deutschen Dackel sind keine Glamour-Hunde, aber weil viele von ihnen noch zur Jagd eingesetzt werden, sind die Männchen sehr selbstbewusst. Das schätzt man auch in Russland", sagt sie.

So heiß die Liebe zum Dackel bei der Dackelausstellung auch glüht: Die Leidenschaft war schon mal größer. Einst unangefochtener Liebling der Nation unter den kompakten Rassen, hat der Dackel heute deutlich mehr Konkurrenz.

Das schlägt sich auch in der Welpenstatistik vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) nieder: 5885 Dackel wurden dort 2015 gemeldet, fast viermal mehr waren es zur Glanzzeit des Teckels. Münchener Olympia-Maskottchen "Waldi" hatte 1972 für einen Boom gesorgt. "Das wirkte bis in die 1980er Jahre hinein, damals stiegen die Welpenzahlen auf über 20 000", sagt Teckelclub-Präsident Stefanus Middendorf.

"Schon Kaiser Wilhelm mit seiner Leidenschaft für den Dackel war ein wichtiger Impulsgeber. Damit war der Dackel wohl der erste Modehund Deutschlands", sagt VDH-Sprecher Udo Kopernik. Heute müsse der Hausmeister-Kläffer gelegentlich mit einem Spießer-Image kämpfen. Da hilft es nur wenig, dass Prominente wie Sängerin Adele auf den Understatement-Hund setzen und Trendmagazine immer mal wieder den hohen Kultfaktor des Dackels hervorheben: "Der urbane Hipster hat einen anderen Hund", sagt Kopernik.

Beliebt sei der Dackel nichtsdestoweniger: Zumindest in der VDH-Statistik besetzt er noch immer Platz zwei - hinter dem Schäferhund. Da nicht alle Hundezüchter dem VDH ihre Würfe melden, sind diese Zahlen nicht vollständig. Ein Ranking der Tierregierungsstelle Tasso zeigt etwa, dass der Dackel bei den dort neu registrierten Tieren inzwischen weit abgeschlagen auf Platz 20 ausharren muss - hinter Labrador, Bulldogge, diversen Terriern und handtaschengroßen Chihuahuas. Tendenz sinkend, wie eine Sprecherin sagt.

Hat der Dackel also ausgedient? "Der Dackel war immer da und wird es immer bleiben", ist Teckelklub-Präsident Middendorf überzeugt. Nach seinem Wunsch soll er auch nie wieder Modehündchen werden. "Dann springen zu viele auf den Zug mit auf, die keine Ahnung von gesunder Zucht haben. Das ist für keine Rasse gut", sagt er.

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