Bei stationärer Behandlung des Burnout-Syndroms bewähren sich berufsbezogene Ansätze

Ein Gefühl des „Ausgebranntseins“

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Das Burnout-Syndrom kann sich durch mehr als 130 Symptome äußern.

Ein zunehmendes Leiden an „Stress“ wird immer häufiger. Aber eine Behandlung stressbedingter seelischer Störungen ist gesellschaftlich immer noch weniger anerkannt als die Therapie körperlicher Beschwerden.

Es ist selbstverständlich, dass zum Beispiel ein Beinbruch von einem Fachmann behandelt wird. Eine professionelle psychosomatische Therapie, zum Beispiel bei einem Burnout-Syndrom, wird jedoch nicht immer für notwendig beziehungsweise angemessen gehalten. Auch wenn der Mensch unendlich viel komplizierter ist als eine Maschine, so ist doch der Vergleich mit einem Computer insofern hilfreich, als dass, wenn der Körper der „Hardware“ und die Seele der „Software“ entspricht, ein „Software“-Problem nicht gelöst werden kann, wenn nur die „Hardware“ angeschaut wird.

Das Burnout-Syndrom („Ausgebranntsein“) scheint sich zunehmend auszubreiten. Im Zeitalter der Globalisierung und zunehmender Arbeitsverdichtung nehmen Zeitdruck und die Anforderungen im beruflichen Bereich ständig zu. Hinzu kommen weniger verbindliche Familienstrukturen, so dass die oder der Einzelne häufig weniger Rückhalt im privaten Bereich bekommt. Anhaltender negativer Stress, der nach und nach die Leis- tungsreserven verbraucht, kann dann auf der körperlichen Ebene zu Müdigkeit, Schlafstörungen, häufigen Infekten und Muskelverspannungen führen.

Das Besondere am Burnout-Syndrom ist, dass es sich auch nach dem Urlaub oder dem Wochenende kaum bessert. Es entwickelt sich meist langsam. Die damit verbundene lang anhaltende gefühlsmäßige Erschöpfung, die sich in Form von Versagensängsten, Gleichgültigkeit, Hilflosigkeit und Niedergeschlagenheit äußert, wird erst spät bemerkt. Oft wird auch eine geistige Erschöpfung beschrieben, zum Beispiel als Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Als Ursachen können äußere und innere, das heißt „Persönlichkeits-Faktoren“ unterschieden werden. Zur stationären Behandlung des Burnout-Syndroms scheint sich das Angebot sehr unterschiedlicher Behandlungsansätze verschiedener Berufsgruppen, zum Beispiel in der Abteilung Psychosomatik der Berolina Klinik in Löhne bei Bad Oeynhausen, gut zu bewähren. Dabei werden Körpertherapien, zum Beispiel Krankengymnastik, das Erlernen von Entspannungsverfahren über einen längeren Zeitraum, Erholung, sportliche Aktivierung, Sozialberatung und eine Psychotherapie kombiniert.

Therapieziele sind Abstand zu schaffen zu der beruflichen beziehungsweise häuslichen Belastungssituation, die Zusammenhänge des Burnout-Syndroms verständlich zu machen, Unterstützung bei Entscheidungen zur weiteren beruflichen und familiären Zukunft. Aber auch die Vermittlung konkreter Bewältigungsschritte und die Umsetzung des Erlernten im Alltag nach der Behandlung werden im Auge behalten. Äußere Faktoren, die zum Burnout-Syndrom führen können, sind einmal eine belastende Arbeitsplatzsituation, aber auch Pflegefälle in der Familie. Zentral ist eine spezielle Therapiegruppe für die Betroffenen, in der sie einmal über die Zusammenhänge des Burnout informiert werden und lernen, äußere Belastungsfaktoren und Eigenanteile zu unterscheiden.

Zum anderen können sie sich in dieser Gruppe austauschen und gegenseitig ermutigen, neue Verhaltensweisen zu erproben, zum Beispiel „nein“ zu sagen oder weniger „perfektionistisch“ zu sein. Einen großen Stellenwert hat die Unterstützung durch den Sozialdienst für Fragen der wirtschaftlichen Absicherung und für die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess.

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