Diesen Todesgefahren sind junge Rehe ausgesetzt

Zerfetzt, erschossen, zerhäckselt: Bambis Leben ist der Horror

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Blick in eine ungewisse Zukunft: Rehe sind in ihrem Leben einer Gefahr nach der anderen ausgesetzt.

Region Rhein-Main – Das Reh hat’s nicht leicht. Bereits im Mutterleib wird es von Hunden zerfleischt, später lauern Mähmaschinen, die es zerfetzen, und Jäger, die auf die Rehe schießen. Von Oliver Haas

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Jedes Jahr Anfang Mai häufen sich die Meldungen: Freilaufende Hunde töten Rehe. So geschehen kürzlich in Bad Homburg, als zwei Hunde ein trächtiges Reh gerissen haben. Besonders traurig: Die Ricke erwartete Zwillinge. Ähnlicher Fall in Groß-Zimmern: Nach einem Hundeangriff verendete eine tragende Ricke qualvoll. Den Dieburger Polizisten bot sich ein Bild des Grauens: Die Gedärme und der kleine Fötus hingen aus dem Bauch des noch lebenden Tieres. Laut Giuseppe Azzarello vom Dieburger Ordnungsamt ist der Tod eines Rehs durch wildernde Hunde kein Einzelfall.

Diese Gefahr ist bereits die erste Attacke auf das Leben von Bambi. Doch sie wäre vermeidbar. Denn in der sogenannten Brut- und Setzzeit von Anfang März bis Ende Juni gilt in einigen Kommunen ein strikter Leinenzwang für Hunde.

Vorsicht, gerissene Rehe! So grausam ist die Realität

Hat das Reh diese Gefahrenquelle überlebt, wartet schon das Mähmaschinen-Drama. Karl Giebel von der „Aktion Rehkitz“ Rodgau erläutert, was es damit auf sich hat: „Wenn das Kitz unbeschadet auf die Welt gekommen ist, versteckt sich die Ricke gerne im hohen Gras vor ihren natürlichen Feinden, wie Füchsen, Greifvögeln und Schwarzwild. Bei der Annäherung ihrer Feinde versucht sie sich ganz still zu verhalten und nicht zu flüchten.“ Und da Rehe in den ersten Lebenstagen noch kaum Eigengeruch hätten, sei dies gegen die meisten Feinde sehr erfolgreich, so der Bambi-Schützer weiter. 

„Unglücklicherweise bleiben die Tiere dann auch bei einem näherrückenden Mähwerk liegen.“ Da sie im hohen Gras vom Bauern kaum gesehen werden können, nimmt das Unheil seinen Lauf. Deutschlandweit sterben rund 100.000 Rehe pro Jahr diesen qualvollen Tod. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, die Rehe davor zu schützen. Und das hoch technologisiert: Mit einem Multikopter und Wärmebildkamera werden Wiesen abgeflogen und nach Rehen abgesucht.

Der Mensch als tödliche Gefahr

Aber auch der Mensch, der zum Abschuss der Rehe gezwungen wird, ist eine tödliche Gefahr. André Schulenberg von Hessen-Forst erklärt, wieso: „Der Rehwildbestand würde stark zunehmen. Krankheiten und Parasiten würden sich als natürliche Gegenspieler zu hoher Populationen ausbreiten.“ Im Wald würde zudem das Aussetzen der Jagd zu empfindlichen Schädigungen der nächsten Waldgeneration führen. „Rehe fressen gern an jungen Waldbäumen, vor allem Knospen und junge Triebe seltener Baumarten. Da Förster und Waldbesitzer den Wald pflegen, um auch für kommende Generationen einen stabilen und artenreichen Mischwald zu erhalten, ist dies ein Problem“, so Schulenberg weiter.

Die Abschusszahlen sind in Hessen beim Rehwild gestiegen. „Dies liegt in erster Linie an einem verbesserten Lebensraum. Milde Winter sowie ein verbessertes Angebot an Nahrung und Deckung sind die Gründe. Stürme haben überall in den Wäldern kleine oder große Freiflächen geschaffen, die in kurzer Zeit wieder mit frischem Grün von Bäumen und anderen schmackhaften Pflanzen bewachsen sind. Dadurch hat sich das Angebot an Nahrung verbessert und gleichzeitig findet das Rehwild überall Rückzugsgebiete“, erklärt Schulenberg.

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Ist Bambi diesen ganzen Attacken von Gevatter Tod ausgewichen, muss es die Gefahren des Straßenverkehrs meistern.

Immerhin: Wenn das Kitz ausgewachsen ist, dann hat es laut André Schulenberg natürliche Feinde nicht mehr zu befürchten. Denn Wölfe und Bären seien derzeit in Hessen nicht sesshaft, Luchse nur in geringer Zahl. Ihre Population wächst allerdings. Es steht also zu befürchten, dass die nächste Gefahrenquelle für Bambi nur eine Frage der Zeit ist.

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