Kinderporno-Prozess

Wollen unsere Kinder Sex mit Erwachsenen?

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Dreieich/Darmstadt – Bei der Hausdurchsuchung des wegen Besitzes und Weiterverbreitung von Kinderpornos angeklagten Dreieichers Matthias P. sind auch Schriften der „Arbeitsgemeinschaft humane Sexualität“ gefunden worden. Diese versucht, Sex mit Kindern zu rechtfertigen. Von Norman Körtge

Ist Matthias P. therapierbar? Zumindest einer ist davon überzeugt. Sein Frankfurter Psychiater. Die Argumentationskette dafür zeigte er bereits im Landgericht Darmstadt auf: Der Dreieicher habe sich nach seiner Haftstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern nicht mehr an diesen vergangen und er sei auch von seiner Alkoholsucht weggekommen. Und deshalb glaubt der Experte, dass der 49-Jährige auch von seiner Sucht nach Kinderpornos weg kommt.

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Mit welchem Gedankengut sich allerdings Matthias P. beschäftigt, wurde bei der Hausdurchsuchung deutlich. Dort fanden sich Schriften der „Arbeitsgemeinschaft humane Sexualität“ (AHS), auf einer deren Fachtagungen auch der Frankfurter Psychiater schon referierte.

In einem AHS-Positionspapier heißt es: „Es gibt Kinder, die ihre Neugier und erotischen Bedürfnisse auch an Erwachsene richten und in bestimmten Situationen sexuelle Kontakte mit ihnen nicht ausschließen oder manchmal sogar suchen.“ Und weiter: „Es gibt Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuelle Kontakte mit Erwachsenen hatten und diese Erlebnisse stets positiv in Erinnerung behielten und nach wie vor als einvernehmlich beurteilen.“

Eine klare Position zur AHS hat Ulrich Warncke, stellvertretender Landesvorsitzender der Opferhilfsorganisation Weißer Ring: „Die AHS versucht mit pseudo-wissenschaftlichen Argumenten zu legitimieren, dass es einvernehmlichen Sex mit Kindern geben darf.“ Zurück blieben aber zum Teil schwer traumatisierte Opfer. „Die AHS versucht das schön zu reden. Dabei wird mit diesen Argumenten der Missbrauch fortgesetzt.“ Warncke macht deutlich, dass ein Mann mit pädophilen Neigungen nicht automatisch ein Täter ist. Wer sich dessen bewusst ist und vielleicht eine Therapie gemacht hat, der wisse, dass er sich unter allen Umständen von Kindern fern halten muss.

Matthias P. ist, wie viele Dreieicher Mütter und Väter berichten, einen anderen Weg gegangen. Immer wieder habe er in Offenthal den Kontakt zu Kindern gesucht, zog in eine Wohnung direkt gegenüber der Wingertschule und ließ sich als ehrenamtlicher Vorleseonkel in der Schulbücherei anwerben. Auch nach der Anklage wegen der Kinderpornos soll er sich wieder Material beschafft und Kontakt zu Kindern gesucht haben.

Der Prozess wird am Dienstag, 29. März,  fortgesetzt.

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