Wasservogel-Plage: Brotkrumen und Exkremente führen zu Infektionen

Kanada-Gans plagt Rhein-Main: Jetzt geht's ihr an den Kragen 

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Die Kanada-Gänse häufen sich am Schlossweiher in Heusenstamm. 

Region Rhein-Main – Hübsch sind sie mit ihren glänzenden Federn. Doch die Kanada-Gänse breiten sich überall in der Region aus und werden langsam zur Plage. Die Kommunen nehmen deshalb nun den Kampf auf. Von Janine Drusche

Ob am Springbrunnen der Frankfurter Goethe-Uni im Westend, an den Schlossweihern in Heusenstamm, im Oberurseler Park oder auf der Durchreise im gesamten Taunus, wie Nabu-Sprecher Bernd Zürn aus Flörsheim sagt: Die KanadaGans hat sich in der Rhein-Main-Region in den vergangenen Jahren stark verbreitet, sogar zur Plage entwickelt.

In Heusenstamm leben allein rund 40 Kanada-Gänse an den beiden Schlossweihern, die sich gegenseitig den Platz streitig machen und anderen Wasservögeln den Lebensraum nehmen. „Zu viele Tiere und deren Exkremente auf einer kleinen Fläche führen zu Infektionen, die alle Wasservögel angreifen und ein Vogelsterben auslösen können“, sagt Egbert Korte vom Institut für Gewässer und Auenökologie in Riedstadt.

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Außerdem mache die Kanada-Gans-Plage das Ufer und das Wasser durch die Hinterlassenschaften und die durch Gänsemist entstehende starke Algenbildung unattraktiv für menschliche Besucher. Deshalb und weil die Kanada-Gänse in Rhein-Main eigentlich nicht angesiedelt sind – und somit keine natürlichen Feinde haben – will die Stadt Heusenstamm nach den Sommerferien einige der Tiere vertreiben.

Freilaufende Hunde könnten, laut Experten, die Gänse daran hindern, weiteren Nachwuchs zu bekommen. Das sei aber nicht der Plan, sagt Regine Dinkelborg von der Stadt Heusenstamm: „Da gibt es andere Maßnahmen. Man darf die Gänse ja sogar schießen. Nur eben nicht in der Innenstadt, wo sie sich aufhalten.“ Da sei es besser, im Frühjahr die Anzahl der Eier zu verringern oder gegen Gipseier auszutauschen, damit es weniger Junge gibt, so Dinkelborg.

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Doch die Bevölkerung muss auch handeln: „Es herrscht ein Fütterungsverbot, doch kaum jemand hält sich daran. Das muss sich ändern!“, fordert Korte: Weil die Menschen die Gänse so viel füttern, werden besonders kleinere Gewässer immer nährstoffreicher. „Aus diesem Grund vermehren sich die Wasservögel so rasant, was den Lebensraum aller dort lebenden Tiere auf Dauer zerstört“, sagt Experte Korte. Sie sterben an den Folgen der Infektionen. „Die Gewässer geben den Lebensraum einfach nicht für alle Arten her, wenn sich die Kanada-Gänse weiter so extrem vermehren.“

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Bedroht sei beispielsweise auch die in der Region heimische Ente. Um sie zu retten, die Plage einzudämmen und es für alle am Wasser besser zu gestalten, wird die Stadt Heusenstamm außerdem nach Rücksprache mit Matthias Werner von der Vogelschutzwarte Fechenheim und der Unteren Naturschutzbehörde Offenbach die pflanzlichen Rückzugsmöglichkeiten für die Kanada-Gänse am Ufer verringern. Denn: „Die Kanada-Gänse lassen keine anderen Arten neben sich zu. Sie haben schon die Stockenten vertrieben und die kommen auch nicht mehr wieder“, sagt Dinkelborg: „Es muss nun also etwas passieren!“

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