Nach EXTRA TIPP-Artikel:

Gelähmter kann dank Treppenraupe wieder raus

Region Rhein-Main – Detlev Mössner aus Offenbach ist halbseitig gelähmt. Die Krankenkasse lehnte die Finanzierung für eine Treppenhilfe ab. Nach dem EXTRA TIPP-Artikel zeigte ein Ehepaar Herz und brachte ein Gerät, das ihm wieder die Freiheit schenkt. Von Oliver Haas

Karin Mössner kann ihre Tränchen nicht verbergen. Erst herzt sie ihren Mann, dann drückt sie die beiden Menschen, die mit einer Treppenraupe dafür sorgen, dass sie wieder mit ihrem Detlev ohne fremde Hilfe das Haus verlassen kann. „Sie sind wirklich Engel“, sagt sie zum Frankfurter Ehepaar Burgard. Rückblick: Seit einem Schlaganfall ist Detlev Mössner aus Offenbach auf den Rollstuhl angewiesen.Um das Mietshaus alleine mit seiner Frau zu verlassen, muss er acht Treppenstufen überwinden. Für seine Frau alleine ein Ding der Unmöglichkeit. Aber die Krankenkasse „Big direkt gesund“ hatte es abgelehnt, die 6000 Euro teure Treppenhilfe zu finanzieren. „Kein unmittelbarer Behinderungsausgleich“ war unter anderem als Ablehnungsgrund aufgeführt.

Wilfrid und Irene Burgard sowie Detlev und Karin Mössner (von links) freuen sich: Die Treppenraupe funktioniert bestens.

Den Artikel las auch Wilfrid Burgard. Er und seine Frau Irene wissen, was es heißt, vom Schicksal böse getroffen zu werden. Im September 2015 ist ihr Sohn Jeffrey mit 43 Jahren gestorben. Nach langem Leidensweg. Auch er war bis zuletzt auf den Rollstuhl angewiesen. „Jeffrey litt an einer angeborenen Immunschwäche. Dank der Forschung überschritt er weit das von den Ärzten prognostizierte Alter von 28. Wir hatten noch paar schöne Momente mehr, aber auch viele schreckliche“, so Wilfrid Burgard auf der Couch im Wohnzimmer der Mössners. „Als ich den Artikel über Herrn Mössner las, musste ich sofort an unseren Streit mit der Krankenkasse denken.“ Vor 24 Jahren habe er für seinen Sohn eine Treppenraupe bei der DAK Frankfurt beantragt und problemlos bekommen. „Vor vier Jahren hat sie nicht mehr funktioniert und wir haben eine neue gebraucht. Aber dann hieß es von der Krankenkasse, dass sowas nicht mehr im Hilfsmittelkatalog enthalten sei und nicht mehr finanziert wird.“ Nur dank der Hilfe des Sozialamtes und tausend Euro Eigenanteil konnte er die Treppenraupe für seinen Sohn kaufen. „Nachdem ich sie jetzt nicht mehr benötige, bin ich froh, dass ich sie den Mössners leihen kann“, so Burgard.

Krankenkasse meldete sich nach dem EXTRA TIPP-Artikel

Auch viele andere EXTRA TIPP-Leser äußerten ihren Unmut über das Verhalten von Krankenversicherungen in ähnlichen Fällen. Etwa Erhard Weiß aus Langen: „Es ist beschämend und unmenschlich, wie sich die „Big direkt“ gegenüber ihren Mitgliedern verhält. Mit welchen absurden Auslegungen hier in Ablehnungsbescheiden argumentiert wird.“ Bei seiner Frau sei 2013 Muskelschwund diagnostiziert worden. Und sie habe nicht mehr die Kraft gehabt, einen normalen Rollstuhl zu bedienen. „Entgegen der Arztberichte sah das unsere Krankenkasse KHH Frankfurt anders und meinte, dass ein normaler Rollstuhl nach Rechtsprechung völlig ausreichend ist.“ Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit.

Übrigens: Nach dem EXTRA TIPP-Artikel hatte sich die „Big direkt gesund“ bei Karin Mössner gemeldet. „Nachdem die Sache in den Medien gewesen ist, soll ich nochmal ein Rezept vom Hausarzt holen“, so Mössner. Dabei habe sie kürzlich nachgefragt und sei brüsk abgewiesen worden. Aber das kann ihr jetzt egal sein. Dank der Treppenraupe können sie und ihr Mann wieder aus dem Haus. Und nur das ist es, was sie wollte.

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Rubriklistenbild: © Foto: oh

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