Kinderporno-Prozess

Perverser Vorlese-Onkel ist eine Gefahr für Kinder

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Dreieich/Darmstadt – Matthias P. ist eine Gefahr für die Allgemeinheit. Und deshalb muss der 49 Jahre alte Mann aus Offenthal nach seiner Haftstrafe in Sicherungsverwahrung. So urteilte das Landgericht Darmstadt am Mittwoch und bestätigte das Urteil aus 2011.* Von Norman Körtge

Besteht die Gefahr, dass Matthias P. wieder Kinder sexuell missbraucht? Nach Einschätzung von Staatsanwältin Katia Schick eindeutig ja. Deshalb plädierte sie vor dem Landgericht Darmstadt wieder dafür, dass der Offenthaler nach Absitzen seiner vierjährigen Haftstrafe wegen des Besitzes von mehreren hunderttausend Kinderporno-Dateien auf seinem Computer in Sicherungsverwahrung (SV) kommt. So wie es bereits im Urteil im März 2011 gestanden hatte. Doch P.s Anwalt Jörg Dietrich hatte vor dem Bundesgerichtshof wegen der SV erfolgreich Revision eingelegt. Aber Richter Christoph Trapp kam am Mittwoch zu dem selben Urteil wie sein Kollege Aßling vor einem Jahr: Sicherungsverwahrung!

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Dem Urteilsspruch vorausgegangen war der Versuch von Anwalt Dietrich, deutlich zu machen, dass von Matthias P. – obwohl er 1999 wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war – eben keine Gefahr mehr ausgeht. Vielmehr zeigten die vergangenen Jahre, dass sich sein Mandant im Griff habe. Zwar habe er viele Kontakte zu Kindern gehabt – unter anderem als Vorlese-Onkel an der Offenthaler Grundschule – aber er sei nicht rückfällig geworden.
Als Zeugen hatte Dietrich einen Frankfurter Psychologen durchsetzen können, beim dem Matthias P. zeitweilig in Behandlung war. Trotz exzessiven Konsums von Kinderpornos habe P. die Schwelle nicht überschritten, sagt der Psychiater aus. Therapeutisch sei dies ein Fortschritt. Allerdings habe P. nicht davon lassen können, Kinder konsequent nicht mehr zu kontaktieren. Der psychiatrische Gutachter Dieter Jöckel hatte in der Verhandlung von Hochrisiko-Szenarien gesprochen, wenn P. Kontakt zu Kindern aufbaut und diese auch Vertrauen fassen würden.

Staatsanwältin Schick sah in der Vorgehensweise des Offenthalers Parallelen zu den schweren Straftaten Ende der neunziger Jahre. „Das waren Vorbereitungshandlungen für den sexuellen Missbrauch von Kindern“, sagt sie. Das es der körperliche Zustand von P. gar nicht mehr zulasse, dass er Kinder missbrauche, konterte sie damit, dass er nie Gewalt angewendet, sondern Kinder gezielt manipuliert habe. „Das ist ihm nicht genommen“, so Schick. Vielmehr nutze der Contergan-geschädigte 49-Jährige seine „Behinderung als Vehikel, um mit Kindern in Kontakt zu treten.

Dass Matthias P. in seinem Schlusswort eine chemische Kastration für sich ins Spiel brachte, konnte die Urteilsfindung der Kammer um Richter Trapp nicht beeinflussen. Anwalt Dietrich kündigt an, erneut in Revision zu gehen.

*Hinweis: Mit Urteil vom 13. März 2013 hat der BGH die Entscheidung des Landgerichts Darmstadt vom 29. Februar 2012 aufgehoben. Die Richter in Karlsruhe entschieden, dass Matthias P. nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung muss. Die Begründung der Gefährlichkeitsprognose durch das Landgericht stieß beim BGH auf ‚durchgreifende rechtliche Bedenken‘ (Az. 2 StR 392/12).

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