Neu-Isenburgerin bleibt auf 3000 Euro Minus sitzen

Pächterin fühlt sich von Kleingartenverein betrogen

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Julia Volland vor ihrem ehemaligen Kleingarten. Die Neu-Isenburgerin fühlt sich vom Kleingartenverein Engwaad über den Tisch gezogen.

Neu-Isenburg - Julia Volland fühlt sich vom Kleingartenverein Engwaad  betrogen: Der Schrebergarten, den sie 2010 für 4100 Euro übernimmt, ist bei der Abgabe plötzlich nur noch 1500 Euro Wert. Grund ist ein Bewertungsfehler. Doch der Verein bleibt stur. Von Kristina Bräutigam

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Die Freude ist groß, als Julia Volland 2010 den Schrebergarten auf dem Gelände des Kleingartenvereins Engwaad in Neu-Isenburg pachtet: Es gibt eine kleine Laube, Obstbäume, Sträucher und Blumen, ein Idyll auf 500 Quadratmetern. 

Dass der Preis mit knapp 4100 Euro deutlich über dem der anderen Kleingärten liegt, stört sie nicht. Sie vertraut der Bewertungskommission, die in jedem Kleingartenverein dafür zuständig ist, vor einem Pächterwechsel den Schrebergarten zu besichtigen und seinen Wert festzulegen. Julia Volland zahlt knapp 4100 Euro an den Vorbesitzer, zehn Prozent, also weitere 400 Euro, bekommt der Kleingartenverein als Kulturbeitrag. „Man ist Laie, in dem Moment hinterfragt man die Zahlen nicht“, sagt die Neu-Isenburgerin.

Dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, merkt sie erst in diesem Jahr. Weil ihre beiden Kinder zu alt sind und die Zeit für die Pflege fehlt, will Julia Volland den Garten abgeben. Vor der Übergabe an den neuen Pächter bewertet die Kommission den Garten erneut – mit überraschendem Ergebnis: Statt 4100 Euro wie im Jahr 2010 ist der Garten nur noch knapp 1500 Euro Wert.

Kreisverband bestätigt den Fehler

„Ich bin aus allen Wolken gefallen“, erinnert sich Julia Volland. Zwar habe sie damit gerechnet, dass die Laube innerhalb der sechs Jahre an Wert verloren hat. „Aber dass ich inklusive Vereinsgebühr auf einer Differenz von 3000 Euro sitzen bleibe, ist ja Wahnsinn“, sagt die Neu-Isenburgerin. Beim Blick in die Unterlagen wird schnell klar, warum: Bei der Bewertung 2010 hat die Kommission vergessen, die jährliche Abschreibung für die 1987 gebaute Laube abzuziehen. Für Julia Volland ist die Sache eindeutig: Sie hat zu viel gezahlt, weil die Kommission einen Fehler gemacht hat. Das bestätigt ihr auch der Stadt- und Kreisverband der Kleingärtner Offenbach.

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Beim KGV Engwaad aber bleibt man stur. „Frau Volland hatte das Pech, dass es damals noch kein Computerprogramm gab, bei dem man eine Abschreibungssumme eintragen musste. Die Kommission hat den Wert der Hütte nach altem Vorgehen geschätzt und zwar nach besten Wissen und Gewissen“, erklärt Ingo Reich, Vorsitzender des KGV Engwaad, dem EXTRA TIPP. Dass die Laube nach sechs Jahren 2600 Euro weniger wert sein soll, findet Ingo Reich nicht komisch. Eine Rückzahlung, zumindest der zehn Prozent des damaligen Verkaufspreises, komme für ihn nicht in Frage: „Der Vertrag wurde damals anerkannt, mehr kann ich heute dazu nicht sagen“, erklärt der Vorsitzende.

Julia Volland fühlt sich über den Tisch gezogen. „Da beschleicht einen schon ein blödes Gefühl“. Vom Vorstand habe sie noch den Tipp bekommen, sich das Geld vom Vorpächter zu holen. Allerdings müsste der seine Ansprüche an den Verein stellen. Und der beruft sich auf eine Verjährungsfrist, die 2013 abgelaufen sei. „Das ist ein Vorgehen, gegen das man machtlos ist. Hier gibt es null Entgegenkommen“, sagt Julia Volland. 

Warnung an alle anderen Kleingärtner

Sie hat nur noch wenig Hoffnung, das zu viel gezahlte Geld zurückzubekommen. Aber sie will andere Schrebergartenbesitzer im Rhein-Main-Gebiet warnen. Jeder sollte sich seine Gartenbewertung genauestens anschauen. Allerdings bekommt der Käufer die erst bei Übergabe des Geldes zu sehen. „Die meisten unterschreiben und zahlen. Bei einem Kleingartenverein, denkt man eben, dass alles Recht und Ordnung hat. Leider kann ich das nicht bestätigen.“

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