Perverser Vorleseonkel

Gutachter bescheinigt erneut Rückfallrisiko

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Dreieich/Darmstadt – Überraschend ist die Revisions-Verhandlung im Kinderporno-Prozess gegen den Dreieicher Matthias P. vertagt worden. Jetzt soll noch einmal sein ehemaliger Psychiater aussagen – und ihn vor der Sicherungsverwahrung bewahren. Von Norman Körtge

Matthias P.s Rechtsanwalt Jörg Dietrich hatte am vergangenen Mittwoch im Landgericht Darmstadt gleich mehrere Anträge gestellt, um weitere Gutachter zu hören. Das Ziel war klar: Seinen wegen des Besitzes von tausenden Kinderpornos zu vier Jahren Haft verurteilten Mandanten aus Offenthal in ein besseres Licht zu rücken. Denn zuvor hatte der psychiatrische Gutachter Dieter Jöckel noch einmal genau das Gegenteil getan. Wie im ersten Prozess vor einem Jahr (hier nachzulesen) ließ er keinen Zweifel daran, dass von Matthias P. – der 1999 wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden war – ein „mittelgradiges Rückfallrisiko“ ausgeht. Damit rechtfertigte Richter Jens Aßling in seinem Urteil im März 2011 auch die Sicherungsverwahrung. Am vergangen Mittwoch sagte Jöckel: „Er gehört nicht zur Gruppe der Unbedenklichen.“ Den Zusammenhang zwischen Kinderporno-Konsum und Kindesmissbrauch veranschaulichte er so: „Man macht keinen trockenen Alkoholiker zum Barmixer.“

Zunächst lehnte die Strafkammer unter Richter Christoph Trapp alle Anträge ab. Doch dem zuletzt gestellten Antrag von Rechtsanwalt Jörg Dietrich kam die Kammer nach. Am kommenden Mittwoch wird nun ebenfalls zum zweiten Mal Matthias P.s ehemaliger Frankfurter Psychiater gehört. Dessen Aussagen hatten im ersten Prozess bereits für Kopfschütteln gesorgt. Der Experte argumentierte damals, dass Matthias P. sich nach seiner Haftstrafe wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern nicht mehr an diesen vergangen habe und er auch von seiner Alkoholsucht weggekommen sei. Und deshalb glaube er, dass P. ebenso von seiner Sucht nach Kinderpornos wegkomme.

In der Pädophilen-Szene ist der Psychiater kein Unbekannter. Zum einen kritisierte er vor Jahren auf einer Fachtagung der „Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität“ (AHS) die „Dämonisierung“ von pädophilen Menschen als Kinderschänder. Das passt zum Gedankengut der AHS. In einem Positionspapier heißt es: „Es gibt Kinder, die ihre Neugier und erotischen Bedürfnisse auch an Erwachsene richten und in bestimmten Situationen sexuelle Kontakte mit ihnen nicht ausschließen oder manchmal sogar suchen.“ Und weiter: „Es gibt Erwachsene, die in ihrer Kindheit sexuelle Kontakte mit Erwachsenen hatten und diese Erlebnisse stets positiv in Erinnerung behielten und nach wie vor als einvernehmlich beurteilen.“

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