Dieses Thema trifft den Nerv

Rolltreppen-Drama: Leser schildern das wahre Ausmaß

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Gesperrt. Eine defekte Rolltreppe in Frankfurt. Oft stehen die Metalltreppen aber einfach nur ohne erkennbaren Grund still.

Region Rhein-Main - Von wegen „Alles läuft super“: Nach dem Bericht des EXTRA TIPPs über stillstehende Rolltreppen, wurde die Redaktion mit Leserberichten überschüttet. Demnach scheinen viel mehr Rolltreppen stillzustehen, als die Verkehrsgesellschaften behaupten. Von Christian Reinartz

Und weil die Verkehrsgesellschaft Frankfurt bei ihrer Einschätzung von 97,5 Prozent Verfügbarkeit bleibt, hat sich die Redaktion entschlossen, die eindrücklichsten Leserbriefe zu sammeln und in gekürzter Form abzudrucken. Denn das ganz persönliche Bild, das die Leser vom Zustand der Rolltreppen in Rhein-Main zeichnen, ist viel authentischer als eine Statistik – und sehr viel dramatischer. Was die Bahn und die VGF zu den Stillstand-Schilderungen der Leser sagen, lesen Sie dann in der kommenden Ausgabe.

Salam Menghistu, Frankfurt:

„Ich habe es schon über sämtlich Kanäle versucht, mich zu Beschweren. Aber man stößt nur auf taube Ohren. Meine „Problem-Haltestelle“ ist die Ostendstraße. Ob der Aufgang zur Hanauer Landstraße oder der auf der gleichnamigen Ostendstraße: Jede Woche ist auf einer anderen Seite die Rolltreppe nicht im Betrieb. Wenn ich mich umschaue, wie viele Familien mit Kinderwagen, Rentner, Behinderte und Bewohner des Viertels sich mit ihren Einkäufen diese schier unendliche Treppe hinaufhieven, werde ich mittlerweile nur noch sauer."

Gerhard Mueller-Debus, Frankfurt

„Über defekte Rolltreppen muss man sich in Frankfurt seit vielen Jahren ärgern – und oft bleiben sie viele Wochen außer Betrieb. Sehr unangenehm sind immer wieder Ausfälle der Treppen am Schweizer Platz in Sachsenhausen, wo der U-Bahnhof wegen der Main-Unterführung besonders tief liegt und die Treppen entsprechend lang sind. Hier gab es bis vor wenigen Wochen noch nicht einmal einen funktionierenden Lift. Die Krönung jedoch sind die Rolltreppen zur Tiefebene am Hauptbahnhof – immer mindestens eine ist längerfristig außer Betrieb, oft sind es gleich mehrere.“

Wolfgang Kreickmann, Frankfurt:

Ich habe auch schon öfters den Ausfall der Rolltreppen an der Konstablerwache und Galluswache erlebt und Müttern mit Kinderwagen geholfen, den Kinderwagen nach oben zu tragen. Die Ursache der meisten Ausfälle ist darauf zurückzuführen, dass die Benutzer meinen, dass sie jeden Dreck auf die Rolltreppen werfen können.

Sanderein Tendies, Frankfurt

Ich bin Rentnerin, 71 Jahre alt, gehbehindert mit Gehhilfe. Ich nutze den ÖPNV täglich und stelle fest: Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht Treppe steigen oder lange Umwege zu Fuß in Kauf nehmen muss, weil Rolltreppen und Aufzüge nicht funktionieren oder tagelang „in Reparatur“ sind. Die Herrschaften von Bahn und VGF, die entscheiden, fahren nicht mit dem ÖPNV, sie lassen sich wahrscheinlich in ihren Limousinen kutschieren. Daher rührt auch deren unglaubliche Arroganz, siehe die „97,5 Prozent Verfügbarkeit“.

T. Müller:

„Ich bin sein Anfang 2015 im Turnverein Bornheim. Seitdem ging die Rolltreppe des Nordausgangs Bornheim-Mitte noch nie. Am S-Bahn-Ausgang Konstablerwache Richtung Westen geht sie in 30 Prozent der Versuche nicht. Ich habe mehrfach gesehen, wie gegen neun Uhr ein Mann aus einer Seitenwand heraussprang, mit Schlüsseln die Rolltreppe einfach abgeschaltet hat und schnell wieder verschwand. Die Rolltreppen an der Konstablerwache haben einen Ausfall von 20 Prozent von U2 nach U1. Das habe ich noch in keiner anderen Stadt erlebt. Wenn ein Ausländer mal eine Doku drehen würde, würden sich alle über dieses Kaff namens Frankfurt kaputt lachen.“

Günther Franken, Frankfurt

„Ich bin schwerbehindert, kann aber gut laufen, nur Treppen sind ein riesiges Problem. Bei meinem täglichen Fahrten in die Frankfurter Innenstadt ändere ich immer wieder die Strecken. Wenn die Rolltreppe an der Galluswarte zur S-Bahn nicht läuft, bin ich gezwungen mit der Straßenbahn bis Hauptbahnhof zu fahren, fahre dann bis zum Platz der Republik in der Hoffnung, dass die Rolltreppe an der Düsseldorfer Straße funktioniert. Chance 50 zu 50. Ansonsten rein in den Bahnhof und per Aufzug an die S-Bahn. Das nächste Problem kommt an der Konstablerwache, wo meist ein Umweg über die U-Bahnhaltestelle hilft, wieder ans Tageslicht zu kommen. Vor Jahren hatte ich eine Aushilfsjob auf der Messe. Meine Tätigkeit war ausschließlich, stehengebliebene Rolltreppen mit einem Schlüssels wieder zum Laufen zu bringen. Irgendwer drückt den Halteknopf, dann steht sie. Ist das Vandalismus? Liest sich als Begründung der Bahn ganz gut. Die 97,5 Prozent Verfügbarkeit der VGF sind der Witz des Tages. Die VGF hat einen realitätsfernen Blick auf ihr Produkt.“

Franz Spindler, Frankfurt

„Man erlebt es immer wieder, an der Konstabler Wache und an der Station Alte Oper. Oft ist die Ursache, dass jemand die Notbremse gezogen hat und vom Reparaturservice am gleichen Tag weit und breit nichts zu sehen ist, obwohl man hier eigentlich nur resetten müsste.“

Die Redaktion weist darauf hin, dass der Inhalt der Leserbriefe die Ansicht der Einsender wiedergibt, die mit der Meinung der Redaktion oder des Verlages nicht unbedingt übereinstimmt.

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