Raserei auf gerader Strecke

Praunheimer fordern Überholverbot

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Sehen sich jeden Tag der Gefahr überholender Autos auf der Praunheimer Landstraße ausgesetzt: Annemarie Jacobi (von links), Alphonse Kientzler, Marie-Luise Wagner und Wolfgang Langer.

Frankfurt – Auf der Praunheimer Landstraße scheinen Verkehrsregeln nicht zu gelten. Anwohner beklagen: Auf dem schnurgeraden Stück wird gerast und überholt. Jedes Einsteigen ins Auto wird da zur Mutprobe. Von Christian Reinartz

Er hat schon mehrmals den Hintern einziehen müssen, um nicht getroffen zu werden. Elektroingenieur Wolfgang Langer  wohnt an der Praunheimer Landstraße und erlebt den Raser-Wahnsinn jeden Tag. „Richtig gefährlich wird es aber erst, wenn die Leute plötzlich rausziehen und den Vordermann überholen“, sagt der Firmeninhaber. „Die sieht man ja nicht kommen, selbst wenn man vorher geschaut hat.“

Schon einige Male seien er und seine Mitarbeiter beim Einladen fast angefahren worden. „Das ist manchmal nur haarscharf.“

Praunheimer Landstraße ist eine Rennpiste

Das Problem: Die Praunheimer Landstraße ist schnurgerade und relativ breit, quasi eine Rennpiste, die zum Rasen einlädt. Wenn nun Autofahrer sich strikt an die vorgeschriebenen 50 Stundenkilometer halten, fühlen sich offenbar zahlreiche eilige Zeitgenossen aufgefordert, aufs Gas zu drücken und zu überholen. „Das passiert hier viele Male am Tag“, weiß Anwohner Alphonse Kientzler. „Für mich ist das Einsteigen ins Auto besonders gefährlich, weil man ja nie weiß, ob einer plötzlich überholt.“

Auch Annemarie Jacobi  und Marie-Luise Wagner  haben Angst vor den waghalsigen Manövern. „Das ist schon nicht mehr feierlich, was hier abgeht“, sagt Jacobi. „Ich hab da richtig Angst, wenn ich aus der Einfahrt komme.“

Doch alles Beschweren beim Ortsbeirat hat bisher nichts geholfen. „Hier passiert einfach nix“, sagt Langer. „Dabei wollen wir doch nur ein Überholverbot auf dieser Strecke. Das würde die schlimmsten Gefahrensituationen verhindern“, ist er überzeugt.

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Beim Straßenverkehrsamt hat man die Praunheimer Landstraße schon länger im Blick. „Wir haben dort schon 24-Stunden-Messungen 14 Tage am Stück gemacht, konnten aber keine alarmierenden Zahlen feststellen“, sagt Ulrich Schöttler, Leiter des Straßenverkehrsamtes. So liege die durchschnittliche Geschwindigkeitsübertretung bei 15 Prozent. „Dieser Wert ist gerade so hoch, dass wir anfangen nachzudenken“, gibt Schöttler zu. Eigentlich klingelten aber erst bei einem Wert von 20 Prozent die Alarmglocken. Dennoch will er dort weiterhin regelmäßig blitzen lassen. „Und ich werde meine Mitarbeiter anweisen, die Überholsituation im Auge zu behalten. Denn einfach so können wir keine Verkehrsschilder aufstellen.“

Für Langer und seine Nachbarn ist das nur ein geringer Trost. „Spätestens, wenn hier mal einer totgefahren wird, stehen dort Schilder. Dann aber bestimmt ganz schnell.“

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